Druckschrift 
1 (1927)
Entstehung
Seite
127
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Handelsstaat bei jedem Kriege zwischen europäischenGroßmächten außerordentlich leiden, ihn daher mitallen Mitteln verhindern würde, andererseits aber eineSchwächung oder Vernichtung Frankreichs im In-teresse des europäischen Gleichgewichts und um einedeutsche Übermacht zu verhindern niemals duldenkönne. Das hatte mir bald nach meiner Ankunft LordHaldane gesagt. In ähnlichem Sinn äußerten sich allemaßgebenden Leute.

Serbische Krise

Ende Juni begab ich mich auf Allerhöchsten Befehlnach Kiel , nachdem ich wenige Wochen vorher in Ox-ford Ehrendoktor geworden war, eine Würde, diedort vor mir kein deutscher Botschafter seit Herrnvon Bunsen bekleidet hatte. An Bord desMeteor"erfuhren wir den Tod des Erzherzog-Thronfolgers.S. M. bedauerte, daß dadurch seine Bemühungen, denhohen Herrn für seine Ideen zu gewinnen, vergeblichwaren. Ob der Plan einer aktiven Politik gegen Ser-bien schon in Konopischt festgelegt wurde, kann ichnicht wissen.

Da ich über Wiener Absichten und Vorgänge nichtunterrichtet war, maß ich dem Ereignis keine weit-gehende Bedeutung bei. Ich konnte später nur fest-stellen, daß bei manchen österreichischen Aristokratenein Gefühl der Erleichterung andere Empfindungenüberwog.

In Berlin angekommen, sah ich den Reichskanzlerund sagte ihm, daß ich unsere auswärtige Lage für sehrbefriedigend hielt, da wir mit England so gut ständenwie schon lange nicht. Auch in Frankreich sei einpazifistisches Ministerium am Ruder.

Herr von Bethmann Hollweg schien meinen Opti-