mismus nicht zu teilen und beklagte sich über russischeRüstungen. Ich suchte ihn zu beruhigen und betontenamentlich, daß Rußland gar kein Interesse habe, unsanzugreifen, und daß ein solcher Angriff auch niemalsdie englisch -französische Unterstützung finden würde,da beide Länder den Frieden wollten. Darauf ging ichzu Herrn Dr. Zimmermann, der Herrn von Jagow ver-trat, und erfuhr von ihm, daß Rußland im Begriffe sei,900 000 Mann neuer Truppen aufzustellen. Aus seinenWorten ging eine unverkennbare Mißstimmung gegenRußland hervor, das uns überall im Wege sei. Eshandelte sich auch um handelspolitische Schwierig-keiten. Daß General von Moltke zum Kriege drängte,wurde mir natürlich nicht gesagt. Ich erfuhr aber, daßHerr von Tschirschky einen Verweis erhalten, weil erberichtete, er habe in Wien Serbien gegenüber zurMäßigung geraten.
Auf meiner Rückreise aus Schlesien auf dem Wegenach London hielt ich mich nur wenige Stunden inBerlin auf und hörte, daß Österreich beabsichtige,gegen Serbien vorzugehen, um unhaltbaren Zuständenein Ende zu machen.
Nachträglich erfuhr ich, daß bei der entscheidendenBesprechung in Potsdam am 5. Juli die Wiener An-frage die unbedingte Zustimmung aller maßgebendenPersönlichkeiten fand.
Dann bekam ich die Weisung, hinzuwirken, daß dieenglische Presse eine freundliche Haltung einnähme,wenn Österreich der großserbischen Bewegung den„Todesstoß“ versetze, und durch meinen Einfluß mög-lichst zu verhindern, daß die öffentliche Meinung gegenÖsterreich Stellung nähme. Die Erinnerungen an dieHaltung Englands während der Annexionskrise, wodie öffentliche Meinung für die serbischen Rechte aufBosnien sympathisierte, sowie auch an die wohl-
128