Druckschrift 
1 (1927)
Entstehung
Seite
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Ein Extrazug brachte uns nach Harwich . Dort wareine Ehrenkompanie für mich aufgestellt. Ich wurdewie ein abreisender Souverän behandelt. So endetemeine Londoner Mission. Sie scheiterte nicht an denTücken der Briten , sondern an den Lücken unsererPolitik.

Rückblick

Wenn ich jetzt nach zwei Jahren mir alles rück-wärtsschauend vergegenwärtige, so sage ich mir, daßich zu spät erkannte, daß kein Platz für mich war ineinem System, das seit Jahren nur von Tradition undRoutine lebte und das nur Vertreter duldet, die soberichten, wie man es lesen will. Vorurteilslosigkeit undunabhängiges Urteil werden bekämpft, Unfähigkeitund Charakterlosigkeit gepriesen und geschätzt, Er-folge aber erregen Mißgunst und Beunruhigung!

Ich hatte den Widerstand gegen die wahnsinnigeDreibundpolitik aufgegeben, da ich einsah, daß erzweckklos war, und daß man meine Warnungen alsAustrophobie, als fixe Idee hinstellte. In der Politik,die nicht Akrobatentum oder Aktensport ist, sonderndas Geschäft der Firma, gibt es keine Philie oderPhobie, sondern nur das Interesse des Gemeinwesens.Eine Politik aber, die sich bloß auf Österreicher,Magyaren und Türken stützt, muß in Gegensatz zuRußland geraten, und schließlich zur Katastropheführen.

Trotz früherer Irrungen war im Juni 1914 nochalles zu machen. Die Verständigung mit England warerreicht. Wir mußten einen wenigstens das Durch-schnittsmaß politischer Befähigung erreichenden Ver-treter nach Petersburg senden und Rußland die Ge-wißheit geben, daß wir weder die Meerengen beherr-schen, noch die Serben erdrosseln wollten.Lächez

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