Schuldfrage
Wir haben, wie aus allen amtlichen Veröffent-lichungen hervorgeht, und auch durch unser Weiß-buch nicht widerlegt wird, das durch seine Dürftigkeitund Lückenhaftigkeit auffällt,
1. den Grafen Berchtold ermutigt, Serbien anzu-greifen, obwohl kein deutsches Interesse vorlagund die Gefahr eines Weltkrieges uns be-kannt sein mußte (ob wir den Wortlaut des Ul-timatums gekannt, ist völlig gleichgültig);
2. in den Tagen zwischen dem 23. und 30. Juli 1914,als Herr Sasonow mit Nachdruck erklärte,einen Angriff auf Serbien nicht dulden zukönnen, die britischen VermittlungsVorschlägeabgelehnt, obwohl Serbien unter russischemund britischem Drucke nahezu das ganze Ulti-matum angenommen hatte und obwohl eine Eini-gung über die beiden fraglichen Punkte leichtzu erreichen war;
3. am 30. Juli, als Graf Berchtold einlenkenwollte, und ohne daß Österreich angegeriffenwar, auf die bloße Mobilmachung Rußlands hinein Ultimatum nach Petersburg geschickt undam 31. Juli den Russen den Krieg erklärt, ob-wohl der Zar sein Wort verpfändete, solangenoch unterhandelt wird, keinen Mann mar-schieren zu lassen, also die Möglichkeit einerfriedlichen Beilegung geflissentlich vernichtet.
Ist es zu verwundern, wenn angesichts dieser Tat-sachen außerhalb Deutschlands nahezu die gesamteKulturwelt uns die Schuld am Weltkriege beimißt?
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