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1 (1927)
Entstehung
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Feindlicher Standpunkt

Ist es nicht begreiflich, daß unsere Feinde erklären,nicht eher ruhen zu wollen, bis ein System vernichtetist, das eine Bedrohung seiner Nachbarn bildet? Siebefürchten, in einigen Jahren wieder zu den Waffengreifen zu müssen und wieder ihre Provinzen über-rannt und ihre Städte und Dörfer vernichtet zu sehen?Haben nicht diejenigen anscheinend recht behalten,die weissagten, daß der Geist Treitschkes und Bern -hardis das deutsche Volk beherrsche, der den Kriegals Selbstzweck verherrlicht und nicht als Übel ver-abscheut, daß bei uns noch der feudale Ritter undJunker, die Kriegerkaste regiere und Ideale und Wertegestalte, nicht aber der bürgerliche Gentleman, daßdie Liebe zur Mensur, die die akademische Jugend be-seelt, auch denen erhalten bleibt, die die Geschickedes Volkes leiten? Hatten nicht die Ereignisse inZabern und die parlamentarischen Verhandlungen desFalles dem Ausland gezeigt, wie staatsbürgerlicheRechte und Freiheiten bei uns bewertet werden, wennmilitärische Machtfragen entgegenstehen?

In die Worte Euphorions kleidete der geistvolle,seither verstorbene Historiker Cramb, ein BewundererDeutschlands, die deutsche Auffassung:

Träumt Ihr den Friedenstag?

Träume, wer träumen mag!

Krieg ist das Losungswort!

Sieg! und so klingt es fort!

DerMilitarismus ", eigentlich eine Schule desVolkes und ein Instrument der Politik, macht die Po-litik zum Instrument der Militärmacht, wenn derpatriarchalische Absolutismus des Soldatenkönigtumseine Haltung ermöglicht, die eine, militärisch-junker-

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