Druckschrift 
1 (1927)
Entstehung
Seite
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bei Wilhelm I. , so doch leider keinesfalls bei seinemMinister.

Die ersten Anzeichen einer Verstimmung zwischenBerlin und Petersburg zeigten sich im Jahre 1874 an-läßlich der Amtsernennung Serranos als Präsidentender spanischen Republik. Hierüber schreibt Schwei-nitz:Dann aber schrieb ich dem Fürsten , daß ich,nachdem er mich seit 20 Jahren mit Wohlwollen er-freut und meine Karriere befördert habe, es ihmschuldig sei, offen zu gestehen, daß ich bedauernwürde, wenn Rußland , ohne dessen Freund-schaft wir die nationale Politik 1866 und1870 nicht hätten durchführen können,jetzt Serranos wegen beleidigt würde. Kaiser Alexan-der war indigniert, außer sich und mehr geneigt, demFürsten Gortschakow Gehör zu schenken, wenn dieserdas ohnehin zunehmende Mißtrauen gegen Fürst Bis-marck zu steigern suchte.

Über die berühmteKrieg in Sicht"-Affäre, die deneigentlichen Ausgangspunkt unserer Entfremdung mitRußland bildet, welche schließlich zum Weltkriegegeführt hat, schreibt Schweinitz:Am 10. Mai warKaiser Alexander auf der Reise nach Ems durchBerlin gekommen. Einige unvorsichtige Äußerungendes Herrn v. Radowitz und der berüchtigteKrieg inSicht?-Artikel derPost" gaben dem Fürsten Gor-tschakow Gelegenheit, die Rolle des Friedensstifterszu spielen. Er telegraphierte an verschiedene Ge-sandtschaften, daß jetzt jede Kriegsgefahr beseitigtsei, und bald wurde in Frankreich verkündigt, daßKaiser Alexanders Machtwort den Fürsten Bismarck verhindert habe, über Frankreich herzufallen. DerKaiser Alexander aber hat mir später oft gesagt, erhabe während seiner damaligen Anwesenheit in Berlin kein Wort von Kriegsgefahr oder Rüstungen sprechen

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