Druckschrift 
1 (1927)
Entstehung
Seite
169
Einzelbild herunterladen
 

drei Kaiserreiche herbeigeführt sei, welches ohne denNamen der Heiligen Allianz deren Inhalt und Wir-kung habe. Ich stimmte dem Kaiser bei, als er sagte,daß er volles Vertrauen in die Wiener Politik setzte,gipfelte doch meine Instruktion in dem Satze, allemzuzustimmen, worin Rußland und Öster-reich einig würden. (!)

Auch Bismarck klammerte sich noch immer anden Gedanken des Drei-Kaiser-Bundes und sah nicht,daß in den meisten Ländern der Staatsgedanke vonder dynastischen auf die nationale Grundlage über-ging, von der konservativen zur liberalen und demo-kratischen, und daß daher zwischen Rußland und Öster-reich auf die Dauer keine Freundschaft möglich war.

Wie sehr Fürst Gortschakow übrigens bestrebtwar, das gute Verhältnis zu Bismarck wiederherzustellen, zeigt das folgende:Die unseligeFriedensstiftung vom Jahre 1875 wurde gleich aneinem der ersten Tage vom Fürsten Gortschakowzum Gegenstände einer Unterhaltung gemacht. Erwünschte sein damaliges Verhalten zu erklärenund zu rechtfertigen und schilderte die Aufregung,in welcher er die in Berlin beglaubigten Botschaftergefunden hatte. Die Grundlosigkeit ihrer Befürch-tungen, die er nicht einen Augenblick geteilt,öffentlich darzulegen, sei der einzige Zweck ge-wesen, den er verfolgt habe, als er das bekannteTelegramm nach Karlsruhe sandte, durch welchesdie geängstigte Welt beruhigt werden sollte.Es istja natürlich, fügte der Fürst hinzu,daß ein Riesegefürchtet wird. Er erging sich dann in Versiche-rungen seiner Freundschaft und Bewunderung für denFürsten Bismarck, der sich seinen Schüler genannthabe, ein Scherz, der nur in dem Sinne gelten könne,wie Raphael Schüler des Perugino war.

169