demütigt, es betrachtete die elsaß -lothringische Frageals eine offene Wunde an seinem Körper, die nur dieZeit heilen konnte, nicht aber rauhe Eingriffe vonfremder Hand. So wenig wie der Papst offiziell auf den,,pouvoir temporel'' verzichten konnte ohne seineStellung zu untergraben, obwohl die Kurie genauwußte, daß der Kirchenstaat niemals wieder erstehenwürde, konnte Frankreich Elsaß-Lothringen offiziellpreisgeben, obwohl die Franzosen nicht daran zweifel-ten, daß sie niemals wieder in Metz oder Straßburg einziehen würden, es sei denn — durch unsere Tor-heit. Sie wußten, daß weder Rußland noch England an der elsaß -lothringischen Frage Interesse hatten,und daß sie niemals für die „Revanche“ auf derenHilfe rechnen konnten. Mit den Franzosen war einkorrekter Modus vivendi zu erreichen, falls wir mitGeschick und Takt ihre Empfindlichkeiten schontenund ihnen nicht dauernd unsere Überlegenheit zufühlen gaben. Alle unsere Vertreter in Paris haben übereinstimmend in dem Sinne be-richtet, daß man dort den Revanchekriegnicht wollte, wenn auch gelegentlich davon dieRede war. Die Revancheidee war für die Franzosendasselbe wie für die Juden der Messias oder für dieAraber der Mahdi. Man hoffte — und das gab derNation ein Ideal, das weder verwirklicht werdenkonnte noch sollte.
Mit England gab es damals noch keine Reibungs-flächen, die Flottenfrage war noch nicht geboren, dieWeltpolitik mit ihren Kolonien und ihrem Handel hattenoch nicht eingesetzt oder war erst in ihren Anfängen.Man wollte damals wie auch später immer sich mituns verständigen, war aber auch schon damals ent-schlossen einen Angriff auf Frankreich nicht zu-zulassen.
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