Druckschrift 
1 (1927)
Entstehung
Seite
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Mit Österreich war unter Andraszy eine Ver-ständigung unschwer zu erreichen, auch ohne Bünd-nis, eine Rückkehr zur Politik ä la Beust nicht mehrzu befürchten. Das hätten weder die Deutschen , nochdie Magyaren zugelassen. Alles kam darauf an, sichmit Rußland auf der alten Grundlage der dynastischenFreundschaft und des völligen Fehlens allerwirklichen Gegensätze zu verständigen. WasderZarvonunserwartete.wareinewarmeUnterstützung der russischen Orient-politik in Anerkennung der uns ge-leistetenungeheuerenDienste. Statt dessentrat Bismarck ganz offen in das gegnerische Lagerüber, versäumte keine Gelegenheit, um Rußland zureizen, und schloß mit Österreich ein gegen Rußland gerichtetes Bündnis!

Im Januar 1880 schreibt Schweinitz:Der Kaiser(Alexander) beklagte sich bitter über die immer undimmer wiederkehrenden Zeitungsgerüchte von russi-schen Truppenansammlungen an unserer Grenze undließ deutlich durchblicken, daß er darin die Absichtvermute, unseren Kaiser mißtrauisch gegen Rußland zu machen und ihn allmählich an den Gedanken zugewöhnen, daß ein Krieg mit demselben unvermeid-lich sei." Ferner sagte der Zar:Sie werden be-greifen, daß mir die Begegnung des Für-sten Bismarck mit dem Grafen Andraszygleich nach der Zusammenkunft von Ale-xandrowo sehr unangenehm war." Überden Inhalt der Wiener Abmachungen sprach er keinWort; er sagte nur:Unsere gemeinschaftlichenFeinde suchen uns zu entzweien und freuen sich jetzt;ich bin immer treu geblieben in meiner Überzeugungvon der Notwendigkeit guter Beziehungen zu Ihnenund in diesen Gesinnungen werde ich auch sterben.

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