Druckschrift 
1 (1927)
Entstehung
Seite
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in welchem die österreichisch-ungarische und ein Teilder deutschen Presse über den Notstand spricht, wirddas Mißtrauen zu ernster Besorgnis gesteigert, unddies ist insofern schädlich, als es zu erhöhter Tätigkeitauf militärischem Gebiet, wofür Anzeichen vorliegen,und zu sorgfältigerer Pflege der etwas erkaltendenfranzösischen Freundschaft führt,

Bei seinem Abschied warnt Herr v, Schweinitz denReichskanzler v, Caprivi vor der Art, wie die Ge-schäfte im Auswärtigen Amt geführt werden. EinePersönlichkeit, welchenicht ganz richtig im Kopfesei, übe zu großen Einfluß aus. Gemeint ist Herrv. Holstein, Und dieser Beamte, den der Verfasserzutreffend charakterisiert, und der durch die neuestenEnthüllungen auch in anderer Richtung recht bedenk-lich erscheint, war im ganzen Epigonen-Zeitalter dereigentliche Leiter des wichtigsten Teiles der Staats-geschäfte, der auswärtigen Politik! Noch nach seinemRücktritt und noch über sein Grab hinaus bis 1914war sein System erkennbar!

Zum Schluß erwähnt noch der Verfasser die Tat-sache, daß wir in jedem Augenblick dasfrühere Verhältnis zu Rußland um denPreisderTrennungvomDreibundwieder-herstellen können.

Man fragt sich, gegen wen wir dann die Bündnissebrauchten? Gegen wen die wahnwitzigen Rüstungen?

Die Erinnerungen des Botschafters v, Schweinitzhaben dazu beigetragen, den Glauben an die Unfehl-barkeit des Meisters gründlich zu erschüttern, indemsie darlegen, daß die letzten Wurzeln der Katastropheauf ihn zurückreichen. Leider haben die Epigonen da-für gesorgt, daß seine großartige Schöpfung nachkurzer Lebensdauer kläglich zusammenbrach!

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