Druckschrift 
1 (1927)
Entstehung
Seite
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zu üben, neben echter Kunst in diesem kleinen Ab-schnitt auch eine artistische Verwendung mehrdeutigerWorte, die zwar den Glanz erhöht, aber der Deutlich-keit nicht dient. Ich denke dabei besonders an denletzten Satz über das Heilige alte Reich und seine be-absichtigte neuzeitliche Wiederholung. Was bedeutetin diesem Zusammenhänge der Klangbyzantinisch"?Ist er nur ein poetischer Ausdruck für die türkischeBundesgenossenschaft, oder sollen die Worte römischund byzantinisch noch weitere Erinnerungsreihenwecken? Soll dieindustrielle Salbung ein ästhetisch-moralisches Abneigungsgefühl ahnen lassen? Kurz,welche literarische Tropfenmischung findet hier statt?Kein Mensch wird in Abrede stellen, daß eine ein-fache Erneuerung des vergangenen Heiligen römischenReiches deutscher Nation unmöglich ist, aber, das zuversichern, ist nicht besonders nötig. Wenn trotzdemin der gegenwärtigen Zeit die Erinnerungen frühererGeschichtsgemeinschaft zwischen uns und den Öster-reichern stärker hervorgehoben werden, so gibt dasdoch noch kein Recht, die neue Verbindung von vorn-herein mit der Hinterlassenschaft der alten zu belasten.Auch ist es falsch, die industrialistische Tendenz alsden Wesenskern der neuen Gestaltung hinzustellen,denn wenn auch alles Geschichtliche in dieser unsererGegenwart von selbst einen industriell-kapitalistischenCharakter annimmt, so ist der Ausganspunkt dermitteleuropäischen Bestrebungen nicht ein ökonomi-scher, sondern ein politischer: die im Kriege erprobteWaffenbrüderschaft soll und muß zur Dauererschei-nung erhoben werden. (!)

Etwas bewußte Artistik finde ich auch im Ge-brauch des Wortesphantasievoll" für das Programmvon Mitteleuropa , denn im Begriffe Phantasie liegenSchöpferkraft und Wahn so nahe beieinander, daß der

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