Leser kaum ganz entscheiden kann, ob mehr an daseine oder an das andere gedacht ist. Wenn Ew.Durchlaucht den Wahn, das Unzulängliche und Un-mögliche in einer nicht verletzenden Form bezeichnenwollten, so widerspricht dem einigermaßen die sonstaufgewendete Energie des Gegensatzes. Auch in denAugen von Ew. Durchlaucht ist die Idee von Mittel-europa etwas wie eine geistige Macht, ein gestaltenderGedanke, nur freilich ein Gedanke, den zu bekämpfenSie als unnötig ansehen.
Was vom reichsdeutschen Standpunkt aus dieGegengründe Ew. Durchlaucht gegen die dauerndeund engere Verbindung mit Österreich-Ungarn sind,ist an dieser Stelle nicht völlig ausgesprochen undmuß darum hier unerörtert bleiben. Man ersieht ausden Darlegungen, die dem oben zitierten Schlußsatzvorhergehen, daß Sie keineswegs ein Gegner des po-litischen Bündnisses zwischen Deutschland und Öster-reich-Ungarn an sich sind. (?) Wer sollte das auchsein? Es handelt sich also nur um das Maß und dieGeschlossenheit der aufzurichtenden Verträge, es han-delt sich darum, daß die Österreicher nicht zur „Preis-gabe ihrer wirtschaftlichen und politischen Un-abhängigkeit“ gedrängt werden. In diesen Worten liegtunsere Gegensätzlichkeit und zugleich das unglaub-liche Mißverständnis Ew. Durchlaucht. (!)
Da ich bei einem neutralen Bureau auf englische und französische Zeitungsausschnitte über „Mittel-europa “ abonniert bin, ist es mir ganz geläufig, denGedanken zu lesen, den Ew. Durchlaucht hier aus-sprechen. Mit Methode wird von der Entente der Zu-sammenhang des österreichischen und des ungarischenStaates dadurch zu stören gesucht, daß die Nationali-täten gegeneinander ausgespielt werden, zugleich aberwird die Monarchie täglich fürsorglich gewarnt, sich
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