nicht zum Vasallenstaat herabdrücken zu lassen. DaEw. Durchlaucht selbst anführen, daß in Österreich eine „höfische Aristokratie mit anglomanischer Kultur -und Geschmacksrichtung" zu treffen sei, ist die eng-lische Methode, Mißtrauen auszustreuen, vom eng-lischen Standpunkt aus vielleicht nicht schlecht. Wasmich in Erstaunen setzt, ist also nicht das Auftauchendieses Gedankenganges, sondern seine Übernahmedurch Ew. Durchlaucht.
Da Ew. Durchlaucht an anderer Stelle sicherlichnicht ohne Absicht schreiben, daß der Weltkriegdurch staatsmännische Unfähigkeiten entfesselt sei, sodarf ich voraussetzen, daß von Ihrer Seite eine falscheBehandlung der Beziehungen der zwei mitteleuro-päischen Reiche nicht gewünscht werden kann. Mußes nun aber nicht einen schwer erträglichen Eindruckmachen, wenn ein reichsdeutscher Mann hohen An-sehens als Mitunterstützer der täglichen englischenVerdächtigungen auftritt? Die englische Preßabteilungweiß, was sie tut und will, ich aber frage mich ver-geblich, welcher rationelle Grund vorliegen kann, ihrbeizuspringen. Ohne Zweifel würde ich ein gewissesVerständnis für diesen gewagten Akt der Beschuldi-gung eigener Staatsgenossen haben, wenn tatsächlichein Stück davon wahr wäre, daß Österreich (und Un-garn ) zur Preisgabe ihrer wirtschaftlichen und poli-tischen Unabhängigkeit gedrängt werden sollen, denndas würde ein Verbrechen am Geiste der Waffen-brüderlichkeit und Treue sein. (?) Aber in aller Welt,wo findet sich eine derartige gefährliche Absicht?Wem soll sie zugeschrieben werden? Soll etwa derVerfasser des Buches „Mitteleuropa " sie haben oderwer sonst? Sind die deutschen Unterhändler, die nachWien fahren, damit belastet. Ich darf wohl sagen, daßmir die mitteleuropäischen Bestrebungen allseitig be-
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