Druckschrift 
1 (1927)
Entstehung
Seite
214
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kannt sind, und auf Grund dieser meiner Kenntnisversichere ich, daß hier eine durchaus schiefe Dar-stellung der Sachlage vorliegt.

So blind und kleindenkend ist keiner von uns,die wir für Mitteleuropa uns bemühen, daß wir an-nehmen könnten, ein herabgedrücktes Österreich könne uns ein fester und treuer Bundesgenossesein. Im Gegenteil, wir wünschen mit ganzerÜberzeugung ein stolzes, sich aufrichtendes Öster-reich und Ungarn , denn nur zwischen Starkenund Gleichgeachteten schließt sich der nötige Bundguten Willens. Es müssen nicht nur alle Formen derbeiderseitigen Staatssouveränität gewahrt werden,nein, darüber hinaus muß ein weit besseres gegen-seitiges Achten und Verstehen Platz greifen, als esbis heute vielfach vorhanden ist. Zusammen als einegroße Staaten- und Völkerfamilie (!) treten wir in dieWeltgeschichte ein, wir binden uns beiderseits frei-willig aneinander um des Lebens willen. Dieser Zu-sammenschluß ist für alle Beteiligten die bestmög-lichste Steigerung aller ihrer eigenen Kräfte undFähigkeiten. Mögen Ew. Durchlaucht das als Phan-tasie bezeichnen, so glaube ich meinesteils, es seieine jener Phantasien, aus denen die neuen Ge-schichtsperioden geboren werden.

Daß beim engeren Zusammenschluß von Mittel-europa der zentrale Staatsvertrag von einer Reihevon Nebenverträgen umgeben sein wird, ist ohneweiteres klar. In diesen Bereich gehören die Fragenvon den orientalischen Märkten und von der Meist-begünstigungsklausel, Wenn ich Abmachungen überdiese Dinge als Nebenverträge bezeichne, so soll darinkeine Herabsetzung ihrer sachlichen Bedeutsamkeitliegen, sondern nur zum Ausdruck kommen, daß wirbeiderseits erst wissen müssen, ob wir den Staatsver-