trag und die Militärkonvention machen, ehe wir ab-schließend zu den Wirtschaftsverträgen übergehen.Auf Grund welthistorischer Gemeinsamkeit könnenbeide Teile sich bei den handelspolitischen Kämpfenviele unnnötige Reibung ersparen. Wenn man dieSätze Eurer Durchlaucht liest, so könnte man denEindruck gewinnen, als wünschten die österreich-ungarischen Industriellen eine ungehemmte deutscheKonkurrenz auf den balkanischen Märkten, als sei eseine Preisgabe von wirtschaftlicher Unabhängigkeit,wenn wir vielleicht Abmachungen treffen, die auf eineArt von Rayonierung hinauslaufen. Wer die Dingekennt, weiß, daß die Verhältnisse genau umgekehrtliegen! Österreich und Ungarn haben den Wunsch,in ihrer notwendigen industriellen Ausdehnung aufdem Balkan von Deutschland aus möglichst wenig ge-hindert zu werden. Wieweit sich deutsche Zugeständ-nisse an diesen Wunsch mit den berechtigten Be-strebungen einzelner reichsdeutscher Exportindustrienausgleichen lassen, ist eine der vielen Fachfragen desmitteleuropäischen Wirtschaftsproblems, aber nicht imentferntesten eine Möglichkeit oder Gelegenheit,Österreich oder Ungarn unselbständig zu machen.Und was die Meistbegünstigungsklauseln anlangt, sosind die durch die zahlreichen Kriegserklärungenfast schon zur Sage geworden. Ob die Wirtschaftsweltnach dem Kriege sich wieder auf der Meistbegünsti-gungsmethode aufbauen wird, kann auch der weit-blickendste Wirtschaftspolitiker heute nicht ent-scheiden, aber selbst angenommen, das Meist-begünstigungssystem feiert eine fröhliche Auf-erstehung, so ist dann sicherlich der wirtschaftlicheZusammenschluß der zwei mitteleuropäischen Wirt-schaftsbereiche kein Hindernis. Wir vergeben danndie Meistbegünstigung gemeinsam, wie es andere
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