listischem Sinne gedeuteten mitteleuropäischen Be-strebungen ein wirksames Agitationsmittel bildet füreinen wirtschaftlichen Zusammenschluß gegen uns undfür die Zurückstellung auseinandergehender Sonder-interessen der Alliierten. Auch glaube ich nicht, daßwir in der Lage wären, den Minimaltarif oder dieMeistbegünstigung für uns zu begehren, wenn wir sienicht auch anderen gewähren.
Ich möchte den Vorwurf „unglaublichen Mißver-stehens“ nicht erwidern, schon weil er mir nicht alssehr höflich erschiene, es hat mich aber überrascht,daß Sie meine Bemerkung, jede Erneuerung des Hei-ligen alten Reiches sei ein Irrtum, auch wenn es stattder römischen die byzantinische Richtung einschlägtund die industrielle statt der sacerdotalen Salbung er-hält, mit sichtlicher Erregung beanstanden. Daß ichunter „byzantinisch“ nicht höfische, sondern geo-graphische Tendenzen meinte, brauche ich wohl alsAntwort auf die an mich gerichtete Frage nichtzu versichern? Euer Hochwohlgeboren Erklärung,der Ausgangspunkt der mitteleuropäischen Bestre-bungen sei kein ökonomischer, sondern ein politischer,enthebt mich eigentlich jeden weiteren Kommentars,da Analogien und Erinnerungen sich durch den poli-tischen Charakter des beabsichtigten Zusammen-schlusses beinahe automatisch aufdrängen, auch wennwir nicht „Mitteleuropa “ mit Mittelalter verwechseln.
Zum Schlüsse möchte ich bitten, mir noch einepersönliche Bemerkung zu gestatten. Ich bin keinRenommist. Ich liebe nicht Renommisten. Das voraus-geschickt möchte ich bemerken, daß ich doch denMut besitze, mich zu einer Auffassung zu bekennen,selbst wenn ich dabei Gefahr liefe, gelegentlich ineiner englischen Zeitung etwas ähnliches zu lesenund von Ihnen alsdann der „Mitunterstützung täg-
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