Haltung als Botschafter in London gegenüber unsach-lichen und unbegründeten Angriffen vor mir selbst»nd meiner Familie rechtfertigen und außerdem meinedortigen Eindrücke und Erlebnisse und meine poli-tischen Gedankengänge festhalten. Sie waren für dasFamilienarchiv bestimmt und ist von mir nur einerganz kleinen Zahl mir nahestehender Persönlichkeiten,bei denen strengste Diskretion zu erwarten war, mit-geteilt worden.
War es bei dem intimen Charakter der Schriftselbstverständlich, daß meine Person im Mittelpunkteder Darstellung stand, so muß letzterer Umstand pein-lich berühren, wenn jemand es zu unternehmen wagt,die Schuld am Weltkriege als Überschrift zu wählen.
Die Druckschrift legt mir auch in den Mund, ichhätte das Scheitern meiner Mission auf die „Tücken”unserer Politik geschoben. Meine Niederschrift aberspricht nicht von „Tücken”, sondern von „Lücken"unserer Politik.
Hinsichtlich der Veröffentlichung kann ich mir auchnicht einmal den Vorwurf der Fahrlässigkeit machen.Daß ich im intimsten Kreise und unter strengster Dis-kretion, zumal angesichts der selbst aus amtlichenKreisen zu Unrecht gegen mich erhobenen Vorwürfe,meine Gedankengänge besprochen habe, wird keinPolitiker als ein Vergehen betrachten.
Es haben nun alle Herren meine Niederschriftstreng diskret behandelt, nur einer hat sich zu der Un-vorsichtigkeit verleiten lassen, dem Hauptmann vonBeerfelde aus der Politischen Abteilung des General-stabes, der sich wiederholt bei ihm über politischeund wirtschaftliche Fragen zu orientieren suchte, dieSchrift für 24 Stunden anzuvertrauen gegen die un-bedingte Verpflichtung, sie nur persönlich zu lesenund nach Ablauf dieser Frist ihm wieder zuzustellen.
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