Druckschrift 
1 (1927)
Entstehung
Seite
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Der Offizier hat entgegen dieser Zusage trotz wieder-holter dringender Erinnerung die Schrift noch ein biszwei Tage länger behalten und in weltfremder Ver-kennung der Bedeutung der Schrift und in dem Wahn,sie könnte zur Herbeiführung des Friedens dienen,etwa 50 Abdrucke davon hersteilen lassen, und sieSeiner Kaiserlichen Hoheit dem Kronprinzen, demHerzog von Braunschweig, dem Prinzen Max vonBaden , dem Generalfeldmarschall von Hindenburg,dem Generalquartiermeister Ludendorff, dem Staats-sekretär des Kolonialamtes Dr. Solf, dem Staats-sekretär des Reichsschatzamtes Grafen von Roedern,dem Generalstab und anderen offiziellen Stellen undhervorragenden Persönlichkeiten zugeschickt. Esscheint nicht, daß von irgendeinem dieser Herrenoder seinen Vorgesetzten etwas geschehen ist, umdieser Verbreitung entgegenzutreten. Ich selbst habeerst einige Wochen später Kenntnis von dem bedauer-lichen Vorgang erhalten und sofort versucht, die Ein-ziehung der versandten Exemplare herbeizuführen.Leider hatte der Hauptmann von Beerfelde die Schriftinzwischen Parlamentariern und Journalisten zu-gesandt, so daß sich meine Bemühungen um die Ein-ziehung als vergeblich erwiesen. Ich habe mich dar-auf dem damaligen Reichskanzler, Herrn Dr. Michaelis,zur Verfügung gestellt und bin seither in steterFühlungnahme mit dem Auswärtigen Amt bestrebtgewesen, der weiteren Verbreitung, namentlich aberder Übertragung der Schrift ins Ausland entgegen-zuwirken.

Ich glaube aussprechen zu dürfen, daß ich mit einerderartigen Indiskretion nicht rechnen konnte.

Alles dies ist in dem gegen mich von dem HerrnOberstaatsanwalt beim Landgericht I Berlin ein-geleiteten Ermittlungsverfahren eingehend erörtert und

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