Druckschrift 
1 (1927)
Entstehung
Seite
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Völkerfamilie den Weg der Versöhnung und fried-lichen Arbeit zu betreten, die Grundlagen nicht ent-ziehen dürfen, die erforderlich sind für den Wieder-aufbau nach beispielloser Katastrophe, für die Er-richtung eines neuen, friedlichen, demokratischenStaatswesens.

Brauche ich darauf hinzuweisen, daß ein Gewalt-frieden unter grausamer Ausbeutung unserer gegen-wärtigen Lage das Ideal des Völkerbundes, den künf-tigen Weltfrieden, gefährden würde, ein Frieden mitBedingungen, die unseren finanziellen und wirtschaft-lichen Ruin herbeiführen, daß die Zerstückelung desVaterlandes, die Abtrennung geographisch und wirt-schaftlich unentbehrlicher Gebiete, welche ihren Wohl-stand, ihre Blüte deutscher Verwaltung, deutscher Ordnung verdanken, die Vernichtung der Arbeit vielerGenerationen und die Preisgabe geschlossener deut-scher Volksteile bedeuten würde?

Ich spreche als deutscher Patriot und zugleich alsFreund Englands zum britischen Volke, zu allen Eng-ländern, die aus dem Greuel dieses Krieges den Sinnfür Menschlichkeit und Gerechtigkeit gerettet, derenpolitischer Fernblick nicht durch Leidenschaften ge-trübt ist und frage sie, ob sie uns helfen wollen, einenZustand zu schaffen, der auf neuen Grundlagen diespätere Versöhnung und Wiederannäherung, dieWiederherstellung der beiden Nationen unentbehr-lichen Handelsbeziehungen, die gegenseitige friedlicheArbeit im Dienste des Gesamtmenschheitsgedankensermöglicht, oder ob sie diese Grundlage zerstören,das deutsche Volk verkrüppeln, dem Chaos preis-geben und dadurch den Weltfrieden und die Welt-ordnung illusorisch machen wollen?

Nicht an das Mitleid, an die Einsicht wende ichmich und hoffe, daß mein Ruf nicht ungehört bleibt!

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