weitere Schwächung Frankreichs zu-zulassen. Nicht Abmachungen geheimerNatur oder die Ränke Eduards VII. nochauch die Nachwirkungen der marokkani-schen Schwierigkeiten sind es, welchediese Haltung begründen, sondern dievom englischen Standpunkte verständ-liche Erwägung, daß nach einem zweitenZusammenbruch Frankreichs wie im Jahre1870 das britische Volk einem einzigenübermächtigen festländischen Machtfak-tor sich gegenüber befinden würde, unddaß dieser Gefahr unter allen Umständenvorzubeugen sei.
Wenn es auch immer mißlich ist, in der Politikprophezeien zu wollen, so glaube ich dennoch es aus-sprechen zu können, daß man uns nur dann angreifenwird, wenn wir in Frankreich einmarschieren und daserste siegreiche Gefecht geliefert haben. Aber auchschon eine Kriegserklärung an Frankreich oder vonFrankreich an uns würde die Mobilisierung der bri-tischen Flotte nach sich ziehen, während der Kriegmit Rußland allein, falls ein solcher überhaupt denk-bar ist, das Eingreifen der britischen Seemacht nochnicht notwendigerweise zur Folge haben würde.
Das ist die Lage, mit der wir zu rechnen haben,welche es aber ermöglicht, unsere beiderseitigen Be-ziehungen ohne Preisgabe unserer Interessen weiterauszugestalten und zu pflegen, falls wir den Briten Entgegenkommen zeigen und ihre Empfindlichkeitenschonen, und das sind die Gründe, aus denen Sir Ed-ward Grey und der gesamten hiesigen Regierung diefriedliche Beilegung des serbischen Streites so sehram Herzen liegt.
Lichnowsky.
ly Lichnowsky 1
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