angetreten hat, so ist doch die Erinnerung an diewenig glänzende Rolle, die die russische Diplomatiedamals spielte, noch zu lebendig und das Wort von der.„schimmernden Wehr“ noch zu frisch in Erinnerung,als daß die hiesige Regierung, der, ich wiederhole es,vor allem darum zu tun ist, einer festländischen Ver-wicklung vorzubeugen, nicht vor der Wiederkehr«iner ähnlichen Lage berechtigte Besorgnisse hegensollte. Sie wünscht also mit anderen Worten, alleszu vermeiden, was dahin gedeutet werden könnte, alsob die russische Regierung einem äußeren Druckweichen sollte, und hat die Botschafterbesprechungmit der Absicht angeregt, daß aus derselben wederSieger noch Besiegte hervorgehen sollten, und daßdort die serbische Frage durch gegenseitiges Ent-gegenkommen eine für Österreich und Rußland gleichannehmbare Lösung finden würde.
Das sind die Gründe, weshalb mein hier nichtwünscht, daß von irgendeiner Seite die Beteiligung andiesen Besprechungen an Bedingungen geknüpft werde,die nach außen wenigstens sich erst als ein Ergebnisder Beratungen darzustellen hätten, daß man also inden Fehler der petitio principii verfalle. Aus den-selben Gründen hat ferner auch die Rede Euerer Ex-zellenz Beunruhigung hervorgerufen. Der Hinweisauf die Bündnistreue wurde als Fanfaregedeutet in einem Augenblick, wo manOrgeltöne gewünscht hatte.
Wir haben mit der Tatsache zu rechnen, und indiesen Dingen ist weder kürzlich eine Wendung ein-getreten, noch dürfte eine solche zu erwarten sein,daß Englands Politik uns gegenüber eine friedlicheund freundschaftliche ist, daß aber keinebritischeRegierung es mit den Lebensinteressendes Landes vereinbar halten würde, eine
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