Druckschrift 
1 (1927)
Entstehung
Seite
296
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denken und erheblichen Abänderungen Anlaß gegebenhaben. Der Vorschlag, der dem Beschluß ad 1 zu-grunde lag, war von der russischen Regierung aus-gegangen, und habe ich ihn deshalb unterstützt, weilich im Hinblick auf die so überaus entgegenkommendeHaltung des Petersburger Kabinetts in der wichtigenFrage des Adriahafens es um so mehr für angezeigthielt, die russischen Wünsche zu fördern, als auchGraf Mensdorff nur gegen die Anwesenheit türkischerTruppen Bedenken erhoben, und die mir im Tele-gramm Nr. 217 erteilten Unterweisungen ausdrücklichvon einer Autonomie Albaniens sprechen, was dochwohl die wenn auch nur nominelle Oberhoheit desSultans voraussetzen läßt. Ferner wies ich darauf hin,daß, falls Mazedonien der Türkei nicht erhalten bleibe,das davon ja völlig losgelöste Albanien dem Macht-bereich der Osmanen tatsächlich entrückt sein würde.

In der Frage der türkischen Truppen vertrat ichden Standpunkt, daß es nicht so sehr auf die prin-zipielle Zulassung derselben ankomme als auf ihreZahl, die sich ja auf eine Art Leibwache des Gouver-neurs beschränken ließe.

Schließlich möchte ich noch bemerken, daß die amSchluß meines Telegramms 207 erwähnte Anregung,die russische Regierung zur Ausarbeitung eines Pro-jekts hinsichtlich des serbischen Verbindungswegesmit der Adria zu veranlassen, wieder fallengelassenworden ist, und daß wir nur den österreichischen unditalienischen Entwürfen für die Organisation der al-banischen Autonomie entgegensehen.

Lichnowsky.