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1 (1927)
Entstehung
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AN DAS AUSWÄRTIGE AMT

London , 20. 12. 1912

D ie heutige Sitzung, die abermals Sir E. Grey per-sönlich leitete, befaßte sich zunächst mit der Fest-stellung des heute abend erscheinenden Communiquesund mit der Mitteilung an den serbischen Geschäfts-träger. Letztere wird dem in meinem TelegrammNr. 207 sub 1 und 3 gemeldeten Wortlaut entsprechen,den zweiten Punkt aber nicht enthalten, weil hinsicht-lich der gesamten Neutralisierung Albaniens GrafBenckendorff die Zustimmung seiner Regierung nochnicht erhalten hat. Das Communique aber wird in ab-gekürzter Form erscheinen.

Graf Benckendorff hatte vorher erklärt, daß seineRegierung den obigen Vereinbarungen zustimme unterfolgender Voraussetzung:

Zuerkennung der Wahl der Richtung der Eisen-bahn und des Endhafens an Serbien . Jede Garantieder Freiheit der notwendigen Studien für die Wahlund die Trassierung der Bahn für die serbische Re-gierung gegen die Schwierigkeiten, die etwa die zu-künftige albanische Regierung verursachen könnte.Recht Serbiens , an der internationalen Kontrolle derBahnlinie und des Hafens teilzunehmen.

Alle Botschafter mit alleiniger Ausnahme desGrafen Mensdorff hielten diese Voraussetzungen fürberechtigt und stimmten ihnen zu. Mein österreichi-scher Kollege erklärte jedoch, sich hierzu nicht äußernzu können, und schien die den Serben eingeräumtenVergünstigungen als zu weitgehend zu betrachten. DerZusatz wurde daher ad referendum genommen unterder ausdrücklichen Erklärung, daß die angenommeneFassung ihn nicht ausschließe.

Hierauf legte Graf Mensdorff seine albanischenWünsche vor, die nicht nur Skutari, sondern auch

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