Ich werde zunächst die Einbringung des italie-nischen Vorschlags abwarten, da Marquis Imperialigestern noch ohne Nachricht war. Lichnowsky.
AN DAS AUSWÄRTIGE AMT London , 7. 1. 1913
B ei der heutigen Botschafterberatung wurde zu-nächst die Frage erörtert, ob es sich empfehle,schon jetzt mit der verabredeten demarche collectivein Konstantinopel vorzugehen. Die Ansicht überwiege,daß der Hohen Pforte ein Gesamtschritt der Mächtenicht unwillkommen sein würde, um ihre Nachgiebig-keit unter Hinweis auf den Willen Europas begründenzu können. Auch sei es höchste Zeit, wenn überhaupt,den gedachten Schritt zu tim, da nach dem völligenAbbruch der Beziehungen der Krieg alsbald wiederbeginnen würde und es auch für die Türkei schwerersei, alsdann einzulenken. Eine Einigung sei nun nichtmehr zu erwarten, daher Eile geboten.
Auch die Frage der Flottenkundgebung wurde er-örtert, und man gelangte zur Überzeugung, daß aufalle Fälle Schiffe in Bereitschaft zu halten seien. VonAusführung einer Kundgebung oder nur der An-drohung derselben hatte ich, unterstützt von den ver-bündeten Kollegen, vorläufig abgeraten.
Es wurde hierauf auf Vorschlag Sir E. Greys dernachstehende Text vereinbart:
„Die Versammlung ist der Ansicht, daß die Bot-schafter in Konstantinopel Anweisung erhalten sollten,sich über die Abfassung einer Note zu verständigen,indem sie über die Bemerkungen der verschiedenenRegierungen beraten, und sobald als möglich dieseNote in einem Kollektivschritt zu überreichen.
In Anbetracht der Möglichkeit einer Wiederauf-nahme der Feindseligkeiten und der Unruhen, die da-