Graf Benckendorff*) teilte mit, daß seine Regierungauf Wunsch der bulgarischen und rumänischen einevermittelnde Tätigkeit übernommen habe.
Auch ließen Mitteilungen, die von den HerrenDanew und Jonescu stammten, darauf schließen, daßdie Möglichkeit einer Verständigung wieder näher-gerückt erscheint. Herr Danew hat außerdem SirE. Grey mitgeteilt, daß seine Regierung bezw. dieVerbündeten beabsichtigten, sofort nach Überreichungder gemeinsamen Note den Waffenstillstand zu kün-digen, und daß die Wiederaufnahme der Feindselig-keiten für nächsten Montag zu erwarten sei.
Sodann brachte ich gemäß Erlaß Nr. 50**) die Frageder türkischen Staatsgläubiger zur Sprache. Sir E. Greyerklärte sich mit meinem Vorschläge einverstanden,während meine Kollegen prinzipiell zustimmten, diedrei von ihnen vorgelegten Punkte aber ihren Re-gierungen unterbreiten wollten. Ich habe auch be-sonders betont, daß es uns daran liegt, die Aufnahmeder gedachten Vereinbarung in den Friedensvertragzu erwirken. Nächste Sitzung Mittwoch nachmittag.
Lichnowsky.
AN DAS AUSWÄRTIGE AMT London , 15. 1. 1913
V ' or der heutigen Sitzung nahm ich Gelegenheit, SirE. Grey von dem Inhalt des Telegramms Nr. 28***)Kenntnis zu geben. Der Minister erklärte sich mit
*) Russischer Botschafter in London .
**) Der erwähnte deutsche Vorschlag ging darauf hinaus, daßdie Frage der türkischen Staatsschulden von der Londoner Bot-schafter-Versammlung gelöst und als der Wille der Großmächteden Friedens-Delegierten kundgegeben werden sollte.
***)‘Es handelt sich um eine Weisung des Auswärtigen Amtes,die Zustimmung zu irgendwelchen Maßnahmen gegen die Türkei zu verweigern, sofern diese Maßnahmen über die vereinbarteDemarche hinausgehen sollten.
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