Druckschrift 
1 (1927)
Entstehung
Seite
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der casus foederis für Deutschland ge-g e b e n. (!)

Ich sagte meinem österreichisch-ungarischen Kol-legen natürlich meine Unterstützung zu, wenn dieFrage bei unseren Beratungen zur Sprache kommt,verhehlte ihm aber andererseits nicht, daß die Aussicht,wegen Skutari Krieg zu führen, wohl wenig Anklangfinden würde. Er stimmte dem durchaus zu, blieb aberdabei, daß der Krieg nur dann vermieden werdenkönne, wenn Skutari an Albanien fällt.

Ich bin nicht in der Lage, zu beurteilen, ob es sichempfehlen würde, einen Wink nach Wien gelangen zulassen angesichts der kriegerischen Stimmung,welche dort wohl zweifellos in gewissenKreisen besteht,um endlich a mal a Ruhzu haben", wie mir schon wiederholt ver-sichert wurde. Sollte dies jedoch geschehen, somöchte ich dringend bitten, mich um meine Unter-haltung mit meinem hiesigen österreichisch-ungari-schen Kollegen dabei nicht zu erwähnen, damit dieFrage nicht vom sachlichen aufs persönliche Gebiethinübergeleitet werde.

Hinsichtlich der weiteren Grenze Albaniens er-klärten beide Herren, daß man bereit sei, auf Ipek undPrisren zugunsten Serbiens zu verzichten, auf Dia-kowa aber nicht. Des weiteren sollte die Grenze demHöhenzuge östlich des Drin und dem Drin selbst fol-gen, Dibra und den See Ochrida einschließen, ebensoKoriza, und schließlich dem Laufe des Kalamas folgen,der sich gegenüber von Korfu ins Meer ergießt. Imübrigen, so erklärten beide Herren, würde man in Wien über die südliche Abgrenzung mit sich reden lassen.

Inzwischen hat sich Graf Benckendorff bereit er-klärt, nächsten Mittwoch über Albanien zu ver-handeln. Lichnowsky.

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