AN DAS AUSWÄRTIGE AMT
or der heutigen Sitzung verständigte ich Sir E. Grey
V vertraulich von dem Standpunkt der KaiserlichenRegierung gemäß Telegramm Nr. 32.*) Der Minister bei-pflichtete unseren Auffassungen in allen Punkten undbemerkte hinsichtlich der Besikabucht, er werde esdem Ermessen des Sir Gerard Lowther**) anheimstellen,ob und wann es nötig sei, zum Schutz britischer Inter-essen Schiffe dorthin zu schicken. Sodann bedauerteer lebhaft, daß die Überreichung der identischen Notedadurch verzögert worden sei, daß der deutsche Bot-schafter ohne Weisung war. Ich konnte ihm die in-zwischen erfolgte Ermächtigung mitteilen.
Bei der Sitzung teilte Herr Cambon uns den Inhalteiner Depesche des französischen Botschafters in Kon-stantinopel mit, wonach tiirkischerseits erwogen werde,den Mächten nahezulegen, im Falle einer günstigenAufnahme der europäischen Ratschläge der Türkei ge-wisse Zusicherungen zu machen hinsichtlich der Be-freiung von Kriegsentschädigung, der Aufhebung derSteuerfreiheit für Ausländer, Tariferhöhungen, An-leihen usw. Sir E. Grey sprach sich im allgemeinen imPrinzip für derartige Zusicherungen aus, ohne freilichin der Lage zu sein, bindende Versprechungen insAuge fassen zu können. Im selben Sinne redete auchdie Mehrheit der Anwesenden, doch wurden Bedenkenlaut gegen die praktische Durchführung und die Über-nahme bindender Verpflichtungen vor Abschluß derF eindseligkeiten.
Für den Fall, daß die türkische Antwort bis dahineingegangen sein sollte, die man ausweichend und
*) Der erwähnte deutsche Standpunkt betraf eine Begrüßungdes Verzichts auf eine Flotten-Demonstration gegen die Türkei und den Wunsch strenger Neutralität.
**) Britischer Botschafter in Konstantinopel.
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