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daß die Aktion nicht ohne Benachrichtigung der Reichsregierungerfolgt ist. Das ist die erste grobe Unwahrheit. Die zweite istdie Behauptung, die Resolution sei im Einverständnis, ja, aufAnstiften Czernins erfolgt. Czernin hat in einer Rede behauptet,die Schilderungen eines seiner Freunde über die Lage in Wien hätten Erzberger und Südekum in ihren Bestrebungen bestärkt.Daraus macht Herr Dr. Helfferich ein Einverständnis, ja, einAnstiften des Grafen Czernin . Erzberger hatte aber die Rück-sprache eines Freundes des Grafen gar nicht nötig. Im April1917 war ein dringlicher Bericht Czernins in Berlin eingegangen,die Monarchie stände vor den ernstesten inneren Zersetzungen,über das Jahr hinaus sei an einen Widerstand nicht zu denken.Daraufhin reiste Erzberger in Bethmanns Auftrag nach Wien und erreichte in Verhandlungen mit dem Kaiser Karl und Czernin ,daß überstürzte Friedensschritte unterblieben. Die Reichsregie-rung allerdings schlug die Schicksalsmahnung aus Wien , die dannein Jahr später zu der lange vorher geahnten Katastrophe führte,in den Wind und glaubte, mit dem Erfolge der ErzbergerschenReise sei alles Nötige getan.
Daß für die parlamentarischen Betreiber der Friedensreso-lution neben dem offenkundigen Fiasko des U-Bootkrieges dieKenntnis der Wiener Schwäche ein hauptsächlicher Ansporn war,das Volk aus den Gleisen der Annexionsschreier heraus auf denBoden eines Verständigungsfriedens zu bringen, ist selbstverständ-lich. Erzberger gebrauchte damals im Hauptausschuß dasGleichnis, die Mittelmächte führen in Convoi. Da habe sich dasGanze nach dem langsam fahrenden Schiff zu richten, und dassei die Donaumonarchie. Es ist also eine offenkundige Unwahr-heit, daß Erzberger sich dazu hergegeben habe, „die Geschäfte derWiener Politik gegen die eigene Regierung zu besorgen". Geradewas Dr. Helfferich als notwendig und angeblich unterlassen be-zeichnet, „Österreich-Ungarn bei der Stange zu halten und ihmden Rücken zu stärken", war Zweck und Ergebnis seiner Wiener Reise gewesen. Dann aber zog die Verständigungsmehrheit desReichstages aus diesen ersten Anzeichen des Zusammenbruchs diepolitischen Konsequenzen und versuchte, eine Beendigung desKampfes anzubahnen, dessen Aussichtslosigkeit sich schon in denAusbruchsversuchen des einen Partners ankündigte. Daß dieJuliresolution nach außen nicht den starken Eindruck machte, lagin dem unseligen Wort des vorübergehenden Kanzlers Michaelis: