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Fort mit Erzberger! / von Karl Helfferich
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des einzelnen einzugreifen, ist eine plumpe, unverantwortlicheDemagogie, wie man sie von einem Mann, der sich Staatsmini-ster nennt, nicht erwarten dürfte. Auch Herr Helfferich dürftewissen, daß es d i e N a ti o n a lv e r s a m m l u n g ist, die dasReichsnotopfergesetz unter Zustimmung des Staatenausschussesbeschließt, und daß auch die ganze Durchführung des Gesetzes imeinzelnen festgelegt wird. Herr Erzberger erhält durch oas Ge-setz keine Macht in die Hand: das Gesetz ist durch sich selbst eineMacht. Aber Herr Helfferich braucht diese Verschiebung, umseine Vertrauensfrage besser daran aufhängen zu können.

Nun entwickelt Dr. Helfferich mit dem Brustton pathetischerUeberzeugung warum sin großer Teil des deutschen Volkesund auch er zu Herrn Erzberger kein Vertrauen habe. Auchdarin zeigt er sich wieder als nicht ungewandten Stilisten. Erbehauptet zwar, es handle sich hier nur um die Person Erzber-gers und nicht um seine Politik. Er behandelt aber jetzt noch im-mer die Juli-Resolution des Reichstages, die Waffenstillstands-vnd die Friedensverhandlungen in der dem Niveau und demSprachschatz des tollsten alldeutschen Hetzblattes angepaßten Ma-nier agitatorisch. Bei denstaatsmännischen" Qualitäten desHerrn Dr Helfferich. bei dem ausgeprägten Sinn fürObjektivi-tät" nimmt das allerdings kein Wunder. Eines dürfte HerrnHelfferich doch hier gesagt werden: Die Abrechnung mit deragitatorischen Behandlung der von ihm genannten Themen istvorgesehen, und es ist Vorsorge getroffen, daß der von ihmgeförderten Legendenbildung über diese Dinge ein Riegelvorgeschoben wird. W-ie Herr Dr. Helfferich sich damit ab-finden wird, ist seine Sache.

Herr Dr. Helfferich bringt sodann zur Diskreditierung derPerson des Ministers Erzberger Anwürfe vor, die sich inhaltlichim wesentlichen mit denen decken, mit denen sich Herr Erzber-ger im Plenum des Reichstages am 27. 2. 1918 in einer länge-ren Rede auseinandergesetzt hat, in der er seine Verleumder mitden Worten abfertigte:Mit solchem Gesinde! und Pack mußman sich herumschlagen" Herr Helfferich verschmäht es abernicht, diese alten, lyngst widerlegten Geschichten in die Tendenzseines Artikels einzuspannen. Es gehört zu den wesentlichenEigenschaften des Herrn Helfferich, zu glauben, daß etwas da-durch, daß er es sagt, zur Wahrheit werde. Es kümmert ihnauch nicht, daß Herr Erzberger seinerzeit den Briefwechsel mit