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Fort mit Erzberger! / von Karl Helfferich
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fühle sich mit seinen heutigen Gegnern zueiner Diskussion über die Möglichkeit unddie Bedingungen eines Friedens zu be-gegnen.

Ich habe mir erlaubt, diesen Gesichtspunkt so'ausführlichhervorzuheben, nicht zu dem Zweck, alte Kontroversen, die jetztmehr als drei Jahre lang die Völker entflammt hatten, wiederzu beleben und das Friedenswerk zu erschweren, sondern geradein dem Bestreben, durch genaue Umschreibung jener seelischenVoraussetzungen auch bei unseren Gegnern, ohne welchealle noch so wohlgemeinten Versuche ergebnislos bleiben müßten,dem Friedenswerke den Weg zu ebnen.

Wenn sich unsere heutigen Gegner daraufberufen, daß sie als Antwort aufdie Note desPräsidenten Wilson ihre Kriegsziele mitgeteilthätten, so dürfte es nicht überflüssig sein, schonjetzt darauf hinzuweisen, daß die damalsbekanntgegebenen Kriegsziele als Grund-lage eines Meinungsaustausches nicht inErwägung gezogen werden können, da sieeinen Ausgangspunkt zur Voraussetzunghaben, der dank derStandhaftigkeit desdeutschen Volkes niemals eintreten iv i r d:nämlich eine völlige Niederwerfung Deutsch-lands und seiner Verbündeten. Wollte Deutsch-land Kriegsziele veröffentlichen oder se-inen heutigen Gegnernmitteilen lassen, die von der umgekehrten Voraussetzung, d. h.von einer völligen Niederwerfung seiner heutigen Gegner aus-gingen, so würde unseres Erachtens die Sache des Friedens hier-durch nicht gefördert, sondern geschädigt; denn die Abweichungender gegenseitigen Forderungen wären so groß, daß auch der besteWille verzweifeln müßte, eine Einigung für möglich zu halten.Sollte es im gegenwärtigen Augenblicke zu Gesprächen über dieMöglichkeit des Friedens kommen, so könnten sie nur auf einerneuen Grundlage geführt werden auf der Grundlage nämlich,daß zurzeit keine von beiden Parteien besiegt sei und keine deranderen moralisch oder politisch etwas zumute, was von einemstolzen Volk, selbst wenn es besiegt wäre, nicht ertragen werdenkönnte.

Sind wir mithin im heutigen Stadium der Dinge noch nicht