— ö» —
leitung gaben zwar die flandrische Küstepreis, General Ludendorff betonte jedoch die militärischeWichtigkeit einer Angliederung der Festung Lüttich undihrer Umgegend. Der Kaiser entschied schließlich im Sinne desKanzlers. Der K r o n p r i n z, der in der Sitzung selbst nichtdas Wort ergriff, sprach sich nach der Beratung mir gegenüberdahin aus, daß nach seiner Ansicht jede Möglichkeit, zn einemanständigen Frieden zu kommen, ergriffen werden müsse, unddaß der Friede an keiner an sich noch so wichtigen Einzel-forderung scheitern dürfe."Kanzler und Staatssekretär des Auswär-tigen hatten also hinsichtlich Belgiens voll-kommen freie Hand. Ich persönlich, der angeblich imBunde mit der Schwerindustrie die angebliche Friedensmöglichkeitdurch ein Bestehen aus weitgehende Forderungen hinsichtlichBelgiens hintertrieben haben soll, habe mich ohne weiteres demvom Kanzler und Auswärtigen Amt vertretenen und dannschließlich vom Kaiser gebilligten Standpunkt angeschlossen, daßkeine belgische Frage ein Hindernis für eine ernstliche Friedens-möglichkeit bilden dürfe.
9. Bleibt die Frage: Warum hat der Nuntius erst am24. September eine Antwort erhalten und warum hat die vomReichskanzler Michaelis unterschriebene Antwortnote — wieHerr Erzberger es ausdeutet — „abgelehnt, eine Erklärung ab-zugeben"?
So wenig wie die Oberste Heeresleitungwar ich über den konkreten Untergrund derangeblichen Fried ensmöglichkeit unterrichtetworden; auch in der Kronratssitzung wurden überdiesen Punkt keinerlei Ausklärungen gegeben. Auch reiste ich amAbend des Kronrats wieder nach meinem Landaufenthalt, da derKanzler und Herr v. Kühlmann erklärten, meine Anwesenheitnicht zu benötigen. Hier müßten also, ehe sich irgend jemand einabschließendes Urteil bilden kann, zunächst einmal die HerrenMichaelis und v. Kllhlmann gehört werden. Dann wird — wieich jetzt schon glaube sagen zu können — das ganze Gebäude desHerrn Erzberger zusammenbrechen. Dann wird sich erweisen,daß weder alldeutsche, schwerindustrielle undmilitärische Einflüsse, noch der General-Südenbock,zu dem Herr Erzberger meine Person stempeln möchte, mit der-