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begleitete, den Glauben an seine Aufrichtigkeit erschüttern, unddiese Überzeugung mußte noch verstärkt werden durch den Tonund den Inhalt der Note, mit der der Präsident Wilson am31. August das Angebot des Papstes vom 2. August beantwortete.Denn in dieser Note lehnt er es bekanntlich ab, mit der da-maligen deutschen Regierung überhaupt überden Frieden zu verhandeln.
Wir geben aber zu, daß trotz alleoem der Versuch hätte' ge-macht werden müssen, durch den Papst mit der englischenRegierung Fühlung zu gewinnen, so schwach auch die Aussichtauf das Zustandekommen eines Friedens war. Nur einerhat keinRecht, der Regierung des Dr. Michaelis einen Vor-wurf aus der ablehnenden Antwort vom 24. September 1917 zumachen, und dieser Eine ist der Reichsfinanz-minister Erzberger, und zwar aus folgenden Gründen:
Am 28. September 1917 erklärte zur Rechtfertigung der am19. September ergangenen Antwort der deutschen Regierung ausdas Ermittelungsangebot des Papstes, die in der feindlichenPresse und von den Unabhängigen angegriffen worden war, weilsie sich nur in allgemeinen Ausdrücken bewegte, im Hauptaus-schuß des Reichstages der Reichskanzler I) r. Michaeliswörtlich folgendes:
„Ich muß den Standpunkt der Reichsleitung klar fest-stellen, von dem wir uns nicht abdrängen lassen werden, daßich es zur Zeit ablehnen muß, unsere Kriegs-ziele zu präzisieren und unsere Unterhändler festzu-legen."
Er sagte ferner im Laufe der Erörterungen über seine unddes Herrn von Kühlmann programmatische Rede in derselbenSitzung:
„Im übrigen habe ich folgendes zu erklären: Die in denletzten Wochen lebhaft erörterte Nachricht, daß die Reichslsitungbereits mit dieser oder jener feindlichen Regierung in Verbin-dung getreten ist. und daß hierbei nach einer — wie ich höre —weit verbreiteten Auffassung die deutsche Reichsleitung vonvornherein besetzte Gebiete und somit die wertvollsten Ver-handlungsvortöile für die kommenden Friedenserörterungenpreisgegeben haben sollte, ist unzutreffend. Ich