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3) Die Weigerung Oesterreich -Ungarns, eine Interven-tion der Mächte zuzulassen. — Diese von dem englischen Bot-schafter am 31. Juli nach London übermittelte Begründung wirktgeradezu grotesk im Zusammenhalt mit der Tatsache, dass einmalein neuer von Sir Edward Grey ausgehender Vermittlungsvorschlagvon der deutschen Begierung an die österreichisch-ungarische Be-gierung tags zuvor weitergegeben worden war und dass die AntwortOesterreichs auf diesen Vorschlag noch ausstand; dass ferner am30. Juli nachmittags in Wien eine Besprechung zwischen demGrafen Berchtold Und dem russischen Botschafter stattgefundenhatte, die der französische Botschafter in Wien sofort als eineUnterhaltung von hoher Wichtigkeit („un entretien de haute impor-tance") nach Paris telegraphierte und die nach seiner Ansichtgestattete zu glauben, dass noch nicht jede Aussicht auf eineLokalisierung des Konflikts verloren sei („permettait de croire quetoute chance de localiser le conflit n'etait pas perdue"). (Gelb-buch No. 104.)
Der von Sir Edward«Grey am 29. Juli gemachte Vermittlungs-vorschlag besagte: Oesterreich-Ungarn soll sich verpflichten, nachder Einnahme von Belgrad und des serbischen Gebiets an derGrenze nicht weiter vorzurücken, während die Mächte versuchenwürden zu erreichen, dass Serbien an Oesterreich-Ungarn einedieser Monarchie genügende Genugtuung gebe. Das von der öster-reichisch-ungarischen Armee okkupierte Territorium solle nach ge-leisteter Genugtuung wieder geräumt werden. Sir Edward Grey teilte diesen Vorschlag am 30. Juli dem englischen Botschafterin Petersburg mit und fügte hinzu: "I suggested this yesterday as apossible relief to the Situation, and, if it can be obtained, I wouldearnestly hope that it might be agreed to suspend further militarypreparations on all sides" (Ich regte dies gestern an als eine mög-liche Erleichterung der Situation, und wenn diese erreicht werdenkann, würde ich ernstlich hoffen, dass man dahin übereinkommenkönnte, weitere militärische Vorbereitungen auf allen Seiten einzu-stellen). (Blaubuch No. 103.)
Dieser Vorschlag wurde von Deutschland an die österreichisch-ungarische Begierung weitergegeben und befürwortet, desgleichenvon dem französischen und englischen Botschafter bei der russi-
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