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Reden und Aufsätze aus dem Kriege / Helfferich
Entstehung
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Einstellung der militärischen Vorbereitungen bei allen Mächten ent-halten habe, angenommen und damit dem deutschen Ultimatum imvoraus die Berechtigung entzogen habe. Zunächst enthielt derenglische Vorschlag, der oben angeführt ist (Blaubuch No. 103),nicht die Bedingung der Einstellung aller militärischen Vorberei-tungen, sondern Sir Edward Grey hatte lediglich die ernste Hoff-nung ausgesprochen, dass bei Annahme seines Vorschlags die mili-tärischen Vorbereitungen von allen Seiten eingestellt würden. Fer-ner hat Russland den englischen Vorschlag nicht angenommen,weder vor noch nach der Ueberreichung des deutschen Ultimatums;die Zirkularnote Vivianis (Gelbbuch No. 120), die in ihrem Absatz 5die vollzogene Annahme des englischen Vorschlags behauptet, sagtselbst in ihrem Absatz 4, die russische Regierung seipret ä entreren negociation sur la base de la proposition anglaise", und zwischender Annahme eines Vorschlags und der Bereitschaft auf dessenBasis zu verhandeln, besteht eben doch ein Unterschied. Russ-lands auswärtiger Minister hat sich aber in Wirklichkeit nicht ein-mal bereit erklärt, auf Basis des englischen Vorschlags in Verhand-lungen einzutreten; er hat vielmehr dem englischen Botschaftereinen Gegenvorschlag gemacht, der sich von dem englischen Vor-schlag wesentlich unterschied, wie folgende Gegenüberstellung zeigt:

Russischer Gegenvorschlag

(Orangebudi Nr. 67)

Si l'Autriche consent ä arreterla marche de ses armees sur leterritoire serbe (wenn Oester-reich zustimmt, den Vormarschseiner Armeen auf dem serbi-schen Territorium anzuhalten)

et si, reconnaissant que leconflit austro-serbe a assumele caractere d'une question euro-peenne, (und wenn, anerkennend,

Englischer Vorschlag

(Blnubuch Nr. 103)

Austria, after taking Belgradeand Servian territory in regionof frontier, to promise not toadvance further (Oesterreich sollversprechen, nach Einnahmevon Belgrad und des serbi-schen Territoriums in derGegend der Grenze nichtweiter vorzurücken)

= diese Anerkennung hatteSir Edw. Grey nicht verlangt,und die österreichisch-ungari-sche Regierung hatte sich stets

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