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Grey zu beeinflussen durch die Behauptung, die Gefahr liege darin,dass die deutsche Regierung Englands Nichteinmischung als sicheransehe: sobald England sich entschlossen auf die Seite Russlands und Frankreich stelle, werde Deutschland auf Oesterreich -Ungarndrücken und die Kriegsgefahr sei beseitigt (Blaubuch No. 17). SirG. Buchanan antwortete noch am 27. Juli Herrn Sasonoff auf dieseimmer wiederkehrende Argumentation in durchaus zutreffenderWeise, er irre sich, wenn er glaube, dass ein solches Vorgehen derSache des Friedens dienen werde. Durch eine solche Drohungwerde Deutschland lediglich steif gemacht werden („Their attitudewould merely be stiffened by such a menace") (Blaubuch No. 44).
Während der englische Botschafter in Petersburg auf dieseWeise aussprach, was lediglich selbstverständlich war, dass näm-lich eine Drohung Englands an Deutschland ihren Zweck nicht nurverfehlen, sondern die kritische Lage verschärfen müsse, begannman in London dem Drängen Frankreichs und Russlands nach-zugeben.
Sir Edward Grey liess sich zunächst von Paul Cambon seinenKonferenzvorschlag einflüstern, und zwar in der folgenden Form:das britische Kabinett solle von der deutschen Regierung verlangen„de prendre l'initiative d'une demarche ä Vienne pour offrir unemediation, entre l'Autriche et la Serbie, des quatre Puissances nondirectement interessees" (die Initiative zu ergreifen zu einem Schrittin Wien , um eine Vermittlung der nicht direkt interessierten vierMächte in der österreichisch-ungarisch-serbischen Frage anzubieten).(Gelbbuch No. 32.) Der Vorschlag war von vornherein aussichts-los; denn abgesehen davon, dass er Deutschland eine Initiative beiseinem Bundesgenossen zuspielen wollte, die Frankreich bei Russ-land ängstlich ablehnte, war der österreichisch-ungarische Stand-punkt, dass eine Einmischung oder Vermittlung Dritter in denösterreichisch-ungarisch-serbischen Konflikt unannehmbarsei, bekannt; und ferner hätte Oesterreich-Ungarn durch die An-nahme des Grey-Cambonschen Vorschlags eo ipso Russland imösterreichisch-ungarisch-serbischen Konflikt als „Puissance directe-ment interessee" anerkannt, was im striktesten Gegensatz zu denösterreichisch-ungarischen Auffassungen und Absichten stand. Ab*r,indem Paul Cambon Sir Edward Grey auf dieses Eis lockte, er-