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Wenn also in der Zeit vom 2. bis 4. August deutsche Kriegs-schiffe sich hätten beikommen lassen, sei es die Strasse von Calaiszu passieren, sei es durch die Nordsee zu fahren, so wäre es, daman von englischer Seite hinter einer solchen Operation ohne wei-teres die Absicht, die französische Küste oder Flotte anzugreifenoder zum mindesten die französische Handelsflotte zu beunruhigen,vermutet hätte, zu einer sofortigen Aktion der englischen Flotteund zum Kriegszustand zwischen Deutschland und England gekom-men, lediglich auf Grund der Konsequenzen, die das britischeKabinett aus der angeblich zu nichts verpflichtenden Entente mitFrankreich sich zu ziehen gezwungen glaubte; dies ganz unab-hängig von Deutschlands Haltung zur belgischen Neutralität.
Aber die belgische Neutralität blieb als möglicher Ausgangs-punkt für den Krieg, in den die Majorität des englischen Kabinettsglaubte eintreten zu müssen, für den aber der Vorwand erst nochkonstruiert werden musste, in Reserve. Zwar sprach Grey am3. August gegenüber Cambon nur von dem Auslaufen der deutschenFlotte als casus belli, während er die belgische Neutralität überhauptnicht erwähnte; dagegen hatte er sich in der Unterhaltung vom2. August dahin geäussert, dass das Kabinett sich noch überlege,welche Erklärungen es am Tage darauf im Parlament abgeben solleund ob es die Verletzung der belgischen Neutralität als casus bellierklären solle. (Blaubuch No. 148.) Grey war also mit seinem am1. August dem französischen Botschafter angekündigten Antrag,England werde die Verletzung der Neutralität Belgiens nicht dulden,im Kabinettsrat noch nicht durchgedrungen.
Man mag nachträglich bedauern, dass es in jener Zeit nicht zueinem Ausfahren deutscher Kriegsschiffe und daraufhin zu einerfeindlichen Aktion der englischen Flotte gekommen ist. Das Mär-chen, dass England lediglich durch die Verletzung der NeutralitätBelgiens von Seiten Deutschlands ^gezwungen worden sei in denKrieg einzutreten, hätte dann nicht aufkommen können.
Wie die Dinge sich entwickelten, wurde der von den mass-gebenden Leitern der englischen Politik bereit gehaltene zweiteKriegsvorwand akut. Die deutsche Regierung sah sich auf Grundder sattsam bekannten Verhältnisse genötigt, von Belgien die Ge-stattung des Durchmarsches der deutschen Trappen zu verlangen.