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Reden und Aufsätze aus dem Kriege / Helfferich
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Der König der Belgier wandte sich an iden König von England mitder Bitte um diplomatische Unterstützung, um die Integrität Belgiens zu sichern. 'Die englische Regierung verlangte daraufhin von derdeutschen Regierung eine sofortige Erklärung über die Respektie-rung der belgischen Neutralität (Blaubuch No. 153). Der deutscheBotschafter machte einen letzten Versuch, indem er der englischenRegierung den Text eines Telegramms des Auswärtigen Amts mit-teilte, in dem er ersucht wurde, in der positivsten Form die Erklä-rung zu wiederholen, dass selbst im Falle eines bewaffneten Kon-flikts Deutschland unter keinem Vorwand irgendwelcher Art bel-gisches Territorium annektieren werde. Es hiess in diesem Tele-gramm weiter: "Please impress uponSir E.Grey thatGerman armycould not be exposed to French attak across Belgium, which wasplanned according to absolutely unimpeachable information" (bittebei Sir Edward Grey nachdrücklich darauf hinzuweisen, dass diedeutsche Armee nicht irgendeinem französischen Angriff über Bel-gien , der nach absolut unfehlbaren Informationen geplant ist, aus-gesetzt werden darf) (Blaubuch No. 157).

Auch dieser letzte Versuch scheiterte. Die englische Regierungstellte noch am Abend des 4. August ein um Mitternacht ablaufen-des Ultimatum, zu einer Zeit, als deutsche Truppen die belgischeGrenze bereits überschritten hatten. Der Krieg mit England war da!

Dass England in den Krieg auch ohne jede Verletzung derbelgischen Neutralität durch Deutschland eingetreten wäre, bedarfnoch der im Vorstehenden dargestellten Entwicklung der franzö-sisch-englisch-deutschen Verhandlungen in der kritischen Wochekeines weiteren Beweises. Die verantwortlichen Leiter derenglischen Politik hatten England auf Grund der formell zunichts verpflichtenden Entente mit Frankreich in den seitder Ueberreichung der österreichisch-ungarischen Note anSerbien verflossenen Tagen iso stark für ein sofortiges be-waffnetes Eingreifen an der Seite Frankreichs engagiert,dass nur um den Preis des Sturzes des britischen Kabinettsund um den Preis des Vorwurfs der Perfidie England demKrieg hätte fern bleiben können.

Dass die Leute, die England in diese Lage geführt hatten, ihre

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