Rechnung dabei fanden, den Vorwand der Verletzung der belgischenNeutralität, von dem isie isich eingestandenermassen eine starke Wir-kung auf die öffentliche Meinung versprachen, nach "Kräften zurDeckung der eigenen Verantwortlichkeit auszunutzen, steht aufeinem anderen Brett. Wie unaufrichtig dieser Vorwand war, istoft genug nachgewiesen worden. Es sei in dieser Beziehung aufdie in Brüssel von den deutschen Behörden beschlagnahmten Doku-mente aufmerksam gemacht, aus denen sich ein Zusammenwirkender belgischen und englischen Militärbehörden ergibt, das dem dasWesen der französisch-englischen Entente ausmachenden Zusam-menwirken der beiden General- und Admiralstäbe durchaus ent-spricht. Wenn in bezug auf das englisch -belgische militärischeEinverständnis von England die heuchlerische Ausrede gebrauchtwird, die getroffenen Vereinbarungen hätten sich lediglich auf denEventualfall einer Verletzung der belgischen Neutralität durchDeutschland bezogen und an sich keinerlei die Politik der beider-seitigen Regierungen verpflichtende Kraft gehabt, so ist dieser Ein-wand genau so viel und so wenig wert wie die gleiche Behauptung,die von englischen Staatsmännern seit einem Jahrzehnt vor demParlament und der Oeffentlichkeit in bezug auf den Charakter derfranzösisch-englischen Entente immer wieder aufgestellt worden ist.Im Falle Belgien jedoch wird das Verhältnis ganz besonders deutlichillustriert. Unter den beschlagnahmten Papieren befindet sich eineAufzeichnung von der Hand des Grafen von der Straaten, Direk-tors im belgischen Ministerium des Aeussern, über eine Unterredungdes englischen Militärattaches in Brüssel , Oberstleutnant Bridges,mit dem belgischen Generalstabschef, General Jungbluth, vom 23.April 1912. In dieser Unterredung erklärte nach der Niederschriftdes Grafen von der Straaten der Oberstleutnant Bridges:
„Die englische Regierung hätte während der letzten Ereignisse(Marokkokrisis) unmittelbar eine Landung bei uns (in Belgien ) vor-genommen, selbst wenn wir keine Hilfe verlangt hätten."
„Der General hat eingewandt, so heisst es in der Niederschriftweiter, dass dazu unsere Zustimmung notwendig sei."
„Der Militärattache hat geantwortet, dass er das wisse; aber dawir nicht imstande seien, die Deutschen abzuhalten, durch unserLand zu marschieren, so hätte England seine Truppen in Bel-gien auf jeden Fall gelandet."