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180,80% auf 170%, beide Aktien also um nicht ganz 6% des Kurs-wertes vom 18. Juli.
Die Pariser Börse sali sich in der letzten Juliwoche genötigt,zur Vermeidung eines vollständigen Zusammenbruchs die Ultimo-liquidation zwangsweise um einen Monat hinauszuschieben. Einähnliches Börsenmoratorium wurde in London notwendig, wo dieJuliliquidation zunächst auf den 15. August, und dann auf den31. August zwangsweise verschoben wurde. In London musstedie Börse am 30. Juli geschlossen werden, da Hunderte von Broker-firmen erklärten, sie müssten sich andernfalls „hämmern" lassen,d. h. ihren Konkurs anmelden. In Berlin blieb die Börse, wennauch unter Beschränkung auf den Kassahandel, bis zum 1. Augustin Tätigkeit und wurde erst nach der Proklamation des Kriegs-zustandes geschlossen. Die Juliliquidation wurde im Gegensatzzu London und Paris nicht hinausgeschoben, sondern dank dervon den Banken gewährten weitgehenden Erleichterungen glattabgewickelt. • .
Dem grossen Andrang nach baren Zahlungsmitteln hat dasdeutsche Bankwesen — abgesehen von dem vorübergehenden undlokalen Mangel an Kleingeld — vollauf und zu erträglichen Bedin-gungen genügt. Während in Frankreich und namentlich in England den Einreichern von Wechseln die grössten Schwierigkeiten ge-macht wurden, hat die Deutsche Reichsbank gegenüber dem Kre-ditbegehr das weiteste Entgegenkommen gezeigt. Die Bank vonEngland sah sich gezwungen, ihren Diskont in den drei Tagenvom 23. bis zum 25. Juli von 3% sprungweise bis auf 10% izuerhöhen. Sie nahm überhaupt nur Wechsel mit einer Laufzeitbis höchstens Mitte August und auch diese nur zum Teil undmit strenger Auswahl. Die Verhältnisse scheinen sich neuerdingsin England so bedrohlich zugespitzt zu haben, dass in diesemjedem staatlichen Eingreifen in die privatwirtschaftlichen Ange-legenheiten durchaus abgeneigten Lande die Intervention des Staa-tes angerufen wurde: Die Bank von England setzt ihre Diskon-tierungen nur fort unter Garantie des Staates für etwaige Verluste!
Die Privatbanken sahen sich in Frankreich und in England sehr bald vor der Unmöglichkeit, dem Verlangen des Publikumsauf Auszahlung der Guthaben in vollem Umfang zu entsprechen.