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nach Ueberschreiten der deutsch -belgischen Grenze vor Augentreten, sind herzbewegend. Einige Ortschaften unmittelbar jenseitsder Grenze sind völlig zerstört; teils ist um diese Ortschaften heftiggefochten worden, zum andern Teil erfolgte die Zerstörung wegenheimtückischer Ueberfälle nach friedlicher Kapitulation. Dagegenfällt die Tatsache auf, dass die grosse Industriestadt Verviers , inder noch heute alle Häuser weisse Fahnen und Tücher zeigen,völlig intakt ist. Von den grossen Fabriken ist nicht eine einzigeauch nur im mindesten beschädigt.
In der nächsten Umgebung von Lüttich wiederholt sich das-selbe Bild. Ueberall dort, wo heftig gekämpft worden ist, nament-lich in der Nähe der Forts, sind die Häuser zusammengeschossenoder ausgebrannt. Auch die Vorstädte zeigen stellenweise starkeZerstörungen, aber überall nur, wo unsere Soldaten aus den Häu-sern heraus beschossen worden sind. Die Stadt Lüttich selbstzeigt nur an wenigen Stellen Spuren des Krieges. Gegenüber derUniversität sind allerdings eine Anzahl Häuser zusammenge-schossen, weil nach der Besetzung der Stadt von hier aus — wiebehauptet wird, von, russischen Studenten — auf unsere Soldatengeschossen worden ist. Die schönste Brücke von Lüttich ist ge-sprengt, aber nicht von unseren Truppen, sondern von den Bel-giern. Zwei Schiffsbrücken, die rechts und links der gesprengtenBrücke alsbald nach Einnahme der Stadt angelegt wurden, zeigen,wie sinnlos diese Zerstörung war. Leider hat sich diese zweck-lose Brückenzerstörung an zahlreichen anderen Stellen wieder-holt. Im Maastal, namentlich zwischen Namur und Dinant sindvon den Belgiern die meisten Brücken in die Luft gesprengt worden,um den deutschen Truppen den Uebergang zu erschweren oder dieVerbindung zwischen den rechts und links von der Maas operie-renden deutschen Armeen zu stören. Ueberall, wo es notwendigwar, sind in der kürzesten Zeit, oft in wenigen Stunden, vonunseren Truppen Notbrücken gebaut worden. Die grossen Fa-briken in der Umgebung von Lüttich sind, ebenso wie in Verviers ,unversehrt. Das gilt insbesondere für die grossen Eisenwerke,Maschinenfabriken usw. von Seraing .
Zwischen Lüttich und Tirlemont, wo unsere Truppen in breiterFront sich vorwärts bewegten, sieht es bis auf wenige Stellen