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Im Tal der Maas ist Dinant , ein bevorzugter Sommeraufent-halt der eleganten Pariser und Brüsseler Welt — in malerischerUmgebung am Fusse eines hohen, von einem Fort gekrönten Fel-sens gelegen — total zerstört. Die Ursache war auch hier, dassunsere Truppen nach friedlicher Kapitulation der Stadt und mehr-tägigem Aufenthalt plötzlich von allen Seiten her von den Ein-wohnern beschossen wurden.
Maasabwärts bis nach Namur erinnern überall nur die zahl-reichen von den Franzosen und Belgiern gesprengten Brücken anden Kriegszustand, in dem sich das Land befindet.
Zwischen Namur und Lüttich ist lediglich die Stadt Andenne stark mitgenommen. Auch hier hatten deutsche Truppen mehrereTage lang friedlich gelagert. Beim Ausmarsch, als gerade dieletzten Munitions- und Proviantkolonnen die Maasbrücke passier-ten, empfingen sie von allen Seiten her aus den Häusern diesseitsund jenseits der Maas ein mörderisches Feuer. Die ganze Divisionkehrte um; es entspann sich ein furchtbarer Strassenkampf, demdie Zerstörung eines grossen Teiles des Ortes folgte.
Den meisten übrigen Orten des dichtbevölkerten Maastalesist von den Schrecken des Krieges nichts anzumerken. Selbst Huy,das befestigt ist und dessen Fort kurze Zeit Widerstand leistete,ist vollständig erhalten.
Die grosse Strasse von Lüttich über die Ardennen nach Arlon gibt dieselben Eindrücke. Zerstörung findet man nur an wenigenStellen, obwohl hier ein Teil der Armee des Herzogs Albrechtvon Würtemberg sich vorwärts bewegte. Natürlich sind dieSchlachtfelder in der Umgebung von Neufchäteau stark mitge-nommen. Auf den Strassen fällt hier besonders stark auf dieVerwüstung, welche die Belgier selbst an den herrlichen Alleenangerichtet haben. Um den deutschen Vormarsch zu verzögern,haben sie zahllose alte Bäume am Strassenrand gefällt und querüber die Strassen gelegt. Der Zweck ist hier ebensowenig erreichtworden wie bei dem sinnlosen Zerstören der Brücken. Die deut-schen Truppen haben prompt aufgeräumt.
Der Gesamteindruck ist, dass unsere Truppen nur dort zer-stört haben, wo die bittere Notwendigkeit des Gefechts es ver-langte oder wo das Verhalten der Einwohnerschaft die schwersten