Repressalien nötig machte. An zahlreichen Stellen ist klar er-sichtlich, dass unsere Truppen geradezu bemüht waren, die Zer-störungen auf den notwendigen Umfang zu beschränken und alleszu schonen was geschont werden durfte.
Die Wirkung dieses Verhaltens zeigt sich vor allen Dingendarin, dass die produktiven Kräfte des Landes durch den Kriegunendlich viel weniger betroffen worden sind, als man es erwartensollte. Eine zerstörte Fabrik ist in diesem industriereichen Gebieteine ganz vereinzelte Ausnahme. Man sieht keine versengten Fel-der; selbst dort, wo gekämpft worden ist, stehen heute nochGetreidemieten und -Garben. Die Hecken, die die Felder abgrenzen,sind nur dort rasiert oder niedergebrannt, wo die Erfordernissedes Gefechts es nötig machten. Der Viehstand des Landes ist imgrossen und ganzen erhalten; das Vieh wurde von unseren Truppenweder verjagt noch unnötigerweise niedergeschossen.
Allerdings stehen die Fabriken bis auf wenige Ausnahmenstill. Die Arbeiter sitzen mit. Frau und Kind vor ihren Häusernund legen resigniert die Hände in den Schoss.
Der kaufmännische Betrieb ruht gleichfalls zu einem grossenTeil. In Brüssel haben nach dem Einzug der deutschen Truppenalle Banken geschlossen, hauptsächlich deshalb, weil die belgi-sche Nationalbank ihren ganzen Bestand an Metallgeld und Notennach Antwerpen gebracht hatte und deshalb die Banken in dieUnmöglichkeit versetzt waren, sich Zahlungsmittel, namentlich auchKleingeld zu verschaffen. Die Filiale der Deutschen Bank hieltam längsten durch; aber auch sie musste für einige Tage ihreSchalter schliessen, als ihr recht beträchtlicher Kassenbestandinfolge der Umwechselung schliesslich fast nur noch in Tausend-franknoten bestand. Inzwischen sind Mittel gefunden worden, umdie Wiederaufnahme des Bankbetriebes in die Wege zu leiten.
Auch die Landwirtschaft steht zum grössten Teil still. Dasgeschnittene Getreide wird nur an wenigen Stellen eingebracht.Vielfach steht der Hafer überreif noch auf den Feldern, ohne dassdie Bauern sich weiter darum kümmern. In den ersten Tagennach der Okkupation des Landes durch deutsche Truppen istdas Vieh meist seinem Schicksal überlassen worden; es standohne Futter in den Ställen oder trieb sich wild auf den Weiden