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herum, die Kühe wurden nicht gemolken. Das ist jetzt andersgeworden. Das Vieh wurde unter Mithilfe der deutschen Soldatenwieder eingefangen und, soweit es möglich war, zu den Besitzernzurückgebracht. Die merkwürdige Untätigkeit der Bauern ist mög-licherweise eine Folgererscheinung der tiefen Resignation, die ganzBelgien erfasst hat; zum anderen Teil mag sie auch auf dergänzlich unbegründeten Furcht beruhen, dass die deutschenTruppen das geschnittene und eingebrachte Getreide für ihreZwecke konfiszieren würden.
Es wird eine der wichtigsten Aufgaben des vor wenigen Ta-gen in Brüssel eingesetzten deutschen Generalgouvernements sein,den Wirtschaftsbetrieb, die Landwirtschaft, % die Industrie und daskaufmännische Gewerbe wieder in Gang zu bringen. Die Anfängedazu sind bereits gemacht. Die industriellen Werke in der Gegendvon Lüttich sind teilweise unter Zuhilfenahme deutscher Inge-nieure wieder in Betrieb gesetzt und arbeiten für die Bedürfnisseder deutschen Militärverwaltung. Auch im Gebiet von Charleroi sieht man bereits wieder einige Schornsteine rauchen. Die Haupt-arbeit ist jedoch noch zu leisten. Die Schwierigkeiten sind nichtzu verkennen; man braucht nur daran zu denken, ein wie grosserTeil der Betriebe selbst in dem siegreichen Deutschland ruht.Aber die Aufgabe, das Schwungrad des wirtschaftlichen Lebensin dem okkupierten Lande wieder in Gang zu bringen, ist desSchweisses der Edlen wert. Und wenn irgend etwas dem deut-schen Generalgouvernement diese Aufgabe erleichtert hat, dannist es die von Zerstörungswut weltenferne Disziplin unsererTruppen, die sich weder durch den Taumel des Sieges, nochdurch den Durst nach Rache verleiten liessen, um des Zerstörenswillen zu zerstören, und die sich auch in der gerechtesten Ge-genwehr die äusserste Mässigung auferlegten.
H e 1 f f e r i eh , Reden und Aufsätze.
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