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Mark und den jährlichen Vermögenszuwachs Deutschlands auf 8bis 10 Milliarden Mark berechnete und damit für alle diese Postenauf höhere Zahlen kam als für Frankreich und England . Im Aus-lande bestand nach wie vor der unerschütterliche Glaube, dassDeutschlands Volks- und Finanzwirtschaft ein Koloss auf tönernenFüssen sei, und dass Deutschland wirtschaftlich und finanziell beimersten Kanonenschuss zusammenbrechen müsse. Dieser Glaube anunsere finanzielle Unzulänglichkeit gehörte mit zu den schwerstenGefahren für den Weltfrieden. Noch in der letzten Stunde vorAusbruch des Krieges, im Juni d. J., hat der Verfasser — dem manin diesem Falle das Selbstzitieren verzeihen möge — im Vorwortzur 4. Auflage seiner Schrift über „Deutschlands Volkswohlstand"ausgeführt:
„Es ist geradezu ein Weltinteresse, dass die Illusion verschwin-det, durch Mittel der finanziellen Politik könne erreicht werden, wasbisher weder durch militärische Macht, noch durch Allianzen undEntenten zu erreichen war: die Niederkämpfung Deutschlands ."
Es gibt niemand in Deutschland , der nicht gewünscht hätte,diese für unsere Gegner verhängnisvolle Illusion im Frieden ver-schwinden zu sehen. Jetzt, wo man den Krieg uns aufgedrungenhat, wird der Krieg sie ausrotten.
Aber das blosse Vorhandensein von Wohlstand und Reichtumtut es nicht allein, ebensowenig wie militärisch die Kopfzahl derHeere. Ihre Aktionskraft erhält die tote Masse durch die Organi-sation. In diesem Punkte haben wir uns schon in Friedenszeitenunseren jetzigen Gegnern weit überlegen gezeigt. Der Krieg istdie Probe aufs Exempel. Wenn unsere Börsen sich besser gehaltenhaben als diejenigen des Auslandes, wenn Deutschland allein vonallen kriegführenden Staaten von dem Erlass eines MoratoriumsAbstand nehmen konnte, wenn unser Geld- und Kreditwesen allenden grossen Anforderungen des Krieges bisher besser gerecht ge-worden ist, als dies bei irgendeinem unserer Gegner der Fall war,so verdanken wir dies der gesunden Struktur unserer Geld- undBankverfassung, deren Leistungsfähigkeit durch die seit vielenJahren sorgsam ausgearbeitete und bis ins kleinste vorbereiteteKriegsorganisation für die schweren Zeiten, die wir jetzt durch-kämpfen, noch ausserordentlich gesteigert worden ist. Das kunst-