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Reden und Aufsätze aus dem Kriege / Helfferich
Entstehung
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des Ergebnisses von einer Milliarde auf eine Milliarde 200 MillionenMark erhöht worden ist. Diese Erhöhung hat sich leider nicht alsgerechtfertigt erwiesen.

Die Ersparnis an fortdauernden Ausgaben in Höhe von563 Millionen ist in sich ein kompliziertes Gebilde und geht natür-lich in erster Linie darauf zurück, dass, wie bereits erwähnt,vom Tage der Mobilmachung, also vom 1. August an, der ordent-liche Etat für die fortdauernden Ausgaben für Heer und Flotteüberhaupt nicht mehr in Anspruch genommen worden ist. Darausergibt sich eine rechnungsmässige Ersparnis von nahezu drei ViertelMilliarde.

Auch bei den Zivilressorts sind grössere Ersparnisse erzieltworden, die in der Hauptsache darauf beruhen, dass ein grosserTeil der Beamten unter den Waffen steht, und dass ihre Bezügezum Teil infolge dieser Tatsache aus dem Kriegsfonds fliessen.

Auf der anderen Seite ist bei den fortdauernden Ausgabenzu berücksichtigen, dass die Verzinsung der Reichsschuld gegen-über dem Voranschlag aus den Ihnen vorhin dargestellten Gründeneinen erheblichen Mehrbetrag erfordert hat, Aehnlich wird imGesamtergebnis der ordentlichen Ausgaben die rechnungsmässigeErsparnis auf 563 Millionen Mark herabgedrückt.

Diese Entwicklung des abgelaufenen Finanzjahres gibt unseinige Möglichkeit, eine Prognose zu stellen, wie sich die Dingeim laufenden Finanzjahr bei Fortdauer des Krieges entwickelnwerden. Wir dürfen annehmen, dass einmal die sicher gegenüberdem formalen Anschlag zu erwartenden Ausfälle in den Einnahmeneinen teilweisen Ausgleich finden in Ersparnissen bei den Aus-gaben, die in der alten Höhe eingestellt sind, und wir dürfenweiter erwarten, dass in dem Betrag von 1200 Millionen Mark,der jetzt für den Schuldendienst eingesetzt ist, eine nicht uner-hebliche stille Reserve liegt, die vielleicht ausreichen wird, umschliesslich im Endergebnis die Rechnung in Balance zu bringen.

Soweit sich also die Gestaltung der Reichsfinanzwirtschaftin dieser ausserordentlichen Zeit überhaupt voraussehen lässt,glaube ich, annehmen zu dürfen, dass der Etat, wie wir ihn Ihnenvorgelegt haben, nicht nur äusserlich balanciert, sondern auch,immer in den Grenzen der Möglichkeit, ein inneres Gleichgewichtin sich selber trägt.