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Reden und Aufsätze aus dem Kriege / Helfferich
Entstehung
Seite
106
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Meine Herren, dass ich Ihnen dieses Urteil aussprechen darf,und zwar auf Grund der Ergebnisse einer achtmonatlichen Kriegs-zeit, zeigt Ihnen, wie solid die Fundamente sind, auf denen unsereReichsfinanzwirtschaft beruht. Wir dürfen die Beruhigung in unstragen, dass der Unterbau, den deutsche Arbeit, deutsche Intelli-genz und deutsche Methoden geschaffen haben, selbst für eineWelt von Feinden schlechthin unzerstörbar ist.

Meine Herren, während die Friedensarbeit in Wirtschafts-und Finanzgebarung weiter geht, fordert der Krieg seine Rechte.Das gigantische Ringen ohnegleichen in der Weltgeschichte sprengtalle Formen und Masse, in denen wir bisher zu denken und zurechnen gewohnt waren. Die Zahl der Riesenheere, die Verlustean Menschenleben, der Verbrauch an Material, die Zerstörung vonWerten, der Kummer und das Herzeleid im ganzen Lande, vomPalast bis zur Hütte, aber auch der Opfermut und die Willens-einheit von ungezählten Millionen, das alles sind Vorstellungen,an deren Weite und Tiefe die Menschheit sich erst gewöhnen muss.

Und nicht anders geht es uns mit dem materiellsten derBegriffe, mit dem Gelde.

Wir müssen heute mit Summen rechnen, die geradezu Schwin-del erregen könnten. Der Jahresertrag mancher Finanzrefoiunen,und zwar nicht nur der kleinen, wird heute aufgebraucht durchdie Kosten einer einzigen Kriegswoche. Ich habe versucht, mir einBild über die wöchentlichen Ausgaben der kriegführenden Gross-mächte zu machen, und bin auf einen Betrag gekommen voneineinhalb Milliarden Mark. Ich muss es mir hier versagen,Ihnen genauere Ziffern über unsere eigenen Kriegskosten vor-zutragen; das muss ich mir aus naheliegenden Gründen fürdie Budgetkommission vorbehalten. Ich möchte Sie deshalbbitten, sich damit zu begnügen, dass ich Ihnen sage: die verbün-deten Regierungen sind genötigt, Sie zu ersuchen, zu den bereitsbewilligten Krediten von zweimal 5 Milliarden Mark dem im ausser-ordentlichen Etat für 1915 geforderten weiteren Kriegskreditvon 10 Milliarden Mark Ihre Zustimmung zu erteilen, um aufdiese Weise die nötige finanzielle Bewegungsfreiheit für die Weiter-führung des Krieges bis zum Spätherbst zu sichern.

Meine Herren, wir sind durchdrungen von der Grösse des