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Reden und Aufsätze aus dem Kriege / Helfferich
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ihr Vertrauen geschenkt nahen, wirken für die weitestgehende,ausgiebigste Beteiligung an der neuen Kriegsanleihe, wirken imSinne der Aufklärung dafür, wie sehr die Mitarbeit an derAufbringung der für aen Krieg erforderlichen Mittel eine patrio-tische Pflicht ist, der sich niemand entziehen darf.

Besonderer Anlass für diesen Appell ist mir die Tatsache, dasswir vor kurzem die zweite Kriegsanleihe aufgelegt haben, unddass der Termin für die Zeichnung auf diese Kriegsanleihe am19. dieses Monats, also in relativ kurzer Zeit, abläuft.

Die erste Kriegsanleihe vom vorigen September war, wieSie alle wissen, ein Erfolg von ungeahnten Dimensionen. Sie hatrund 4Vg Milliarden gebracht, einen Betrag, der alle bisher da-gewesenen Finanzoperationen einschliesslich der französischen Kriegsentschädigung 1871 in Schatten stellte. Meine Herren, wirhatten diesen Erfolg zu verdanken dem durch die zähe Arbeitdes deutschen Volkes im raschen Fortschritte vermehrten Wohl-stand, wir hatten ihn zu verdanken der opferwilligen Vaterlands-liebe aller Bevölkerungsschichten, der vorzüglichen Friedens- undKriegsorganisation unseres Geld- und Kreditwesens und der aus-gezeichneten Leitung des Anleihegeschäftes. Meine Herren, es istmir hier ein Bedürfnis, zu bekunden, welches unvergängliche Ver-dienst um unsere Kriegsbereitschaft und speziell um die Führungdes Anleihegeschäftes sich die Reichsbank und insbesondereder Reichsbankpräsident erworben hat. In jahrelanger zä-her Arbeit hat der Reichsbankpräsident darauf hingewirkt,unser Kreditwesen krisen- und kriegsfest zu machen. Ichverrate kein Geheimnis, wenn ich sage, dass der Reichs-bankpräsident bei diesem Bestreben mitunter auf Zweifelund Bedenken gestossen ist, aber auch, dass er schliesslich inder grossen Linie Verständnis gefunden hat, Verständnis in demMasse, dass ohne gesetzlichen Eingriff unsere deutsche Kredit-organisation in den gewaltigen Stürmen des Kriegsausbruchs sichbesser bewährt hat als diejenige irgend eines anderen LandesUnd dieses ruhige Sichbewähren in den ersten kritischenWochen hat neben den unvergleichlichen Waffenerfolgen un-serer Truppen nicht zum wenigsten dazu beigetragen, demganzen Volke das sichere Gefühl des Vertrauens < zu geben,