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Meine Herren, ich verkenne dabei nicht, dass die ungeheurefinanzielle Schwächung, die der Krieg in seinem bisherigen Ver-laufe bereits über unsere Gegner gebracht hat, die Aufgabe, dieich eben bezeichnete, zu einer ganz besonders schwierigen (ge-stalten wird. Aber was nach dieser Richtung hin geschehen kann,das wird getan werden.
Die Bewilligung der Kriegskredite hat als Gegenstück dieRealisierung dieser Kredite durch die Begebung der Anleihen.Sie wissen, und die Oeffentlichkeit weiss, dass die Ausgabe einerneuen, einer dritten Kriegsanleihe bevorsteht. Unsere Vor-bereitungen sind zum grossen Teil bereits getroffen, sie stehenunmittelbar vor dem Abschluss. Ende dieses Monats, also inwenigen Tagen, werden die Zeichnungseinladungen auf die dritteKriegsanleihe ausgegeben werden. Wir müssen durch die neueAnleihe die grossen Summen hereinbringen, die wir bereits jetztÜber 13V2 Milliarden der ersten beiden Kriegsanleihen hinaus ver-ausgabt haben. Zum Teil sind ja diese Summen durch den Kriegs-schatz und durch die bei Kriegsausbruch vorhandenen bereitenBestände der Reichshauptkasse gedeckt worden. Diese Deckunghat weiterhin eine Erhöhung erfahren durch den Ueberschussder Rechnung des ordentlichen Etats für das abgelaufene Finanz-jahr. Ich habe diesen Ueberschuss hier auf Grund vorläufigerBerechnungen und Schätzungen im März dieses Jahres auf 38 Mil-lionen Mark veranschlagt. Der endgültige Rechnungsabschluss hatergeben, dass der Ueberschuss des ordentlichen Etats für 1914/15sich auf 219 Millionen beläuft. Zusammen mit den anderen Posten,die ich erwähnte, Kriegsschatz und bereite Bestände, ist das immer-hin eine ganz erkleckliche Summe, die aus dem ordentlichen Etatzu dem Fonds für die Kriegskosten hinüberfliesst. Aber dieSummen, die wir vorläufig auf anderem Wege über den Ertrag derAnleihe hinaus aufbringen mussten, sind doch noch ausserordent-lich viel grösser. Dieser andere Weg ist die Diskontierung vonReichsschatzanweisungen bei der Reichsbank und bei den grossendeutschen Banken. Die auf diesem Wege ausgegebenen Schatzan-weisungen müssen wir aus dem Erlös der bevorstehenden Anleihekonsolidieren, und die neue Anleihe muss uns darüber hinaus einenrecht erheblichen Ueberschuss an freiem Geld für die Weiterführungdes Krieges bringen.