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Reden und Aufsätze aus dem Kriege / Helfferich
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brave Franzose von den eigenen Erfahrungen auf andere zuschliessen; er scheint die Reichsbank mit der Bank von England zu verwechseln. Die Bank von England hat ja bekanntlich nichtnur auf die ägyptische Goldreserve, auf die indische Goldreservedie Hand gelegt und fürsorglich den Goldbestand der belgischenNationalbank an sich genommen, sondern sie hat sich bei ihrerHilfeleistung für Russland und für Frankreich mit klingendemGold für ihre Kreditgewährung bezahlen lassen.

Diese neueste Legende, die gegen uns in die Welt gesetztwird, ist mir gar nicht unwillkommen; denn sie gibt mir Gelegen-heit zu einer Feststellung, die mir am Herzen liegt. Wir stehenallerdings unseren Verbündeten auch finanziell zur Seite, wie diesguter Waffenbrüderschaft entspricht. Unsere deutschen Bankenhaben mit der österreichisch-ungarischen Monarchie gewisse finan-zielle Transaktionen, im Einverständnis mit der Reichsleitung,abgeschlossen. Ausserdem haben wir gegenüber den Türken, diesich so ausgezeichnet schlagen, die Pflichten des finanziell stär-keren Bundesgenossen bisher erfüllt und werden diese Pflichtenweiter erfüllen. Geschachert haben wir mit unseren Bundesge-nossen nicht; Gold haben wir ihnen nicht abgenommen. TreueVerbündete, die Schulter an Schulter mit uns ihr Blut vergiessen,als Objekte geschäftlicher Ausbeutung zu behandeln, das ist nichtdeutsche Art, das ist britischer Stil; das überlassen wir denEngländern!

Nun, meine Herren, zu dem letzten Punkte dieser finanziellenUebersicht, zu dem Punkte, den ich im Monat März hier als deneinzigen wunden Punkt in unserer Finanzverfassung bezeichnenmusste: ich meine die Gestaltung der auswärtigen Wechsel-kurse. Ich habe mich damals bemüht, Ihnen zu zeigen, auf fwelchenZusammenhängen der Rückgang unserer auswärtigen Wechsel-kurse während dieses Krieges beruht. Sie bestehen, kurz zu-sammengefasst, in der starken Unterbindung unseres Exports undin der Sperrung unserer Kapitalanlagen im Auslande. Die Dingehaben sich auf diesem Gebiete für uns nicht erheblich gebessert,aber auch nicht verschlechtert. Die Sache ist heute ungefährauf demselben Stande, auf dem sie im Monat März gewesen ist.Das ist, nachdem man ein halbes weiteres Kriegsjahr hinter sich