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Reden und Aufsätze aus dem Kriege / Helfferich
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grössten staatswirtschaftlichen Probleme an, die wir im Friedenzu lösen haben werden, ein Problem, dem wir nicht früh genugunsere Aufmerksamkeit und unsere Sorge widmen können. Ichwerde hierauf gleich noch zurückkommen.

Rechnerisch wird die Erhöhung der Ausgaben für den Schul-dendienst von mehr als einer Milliarde im Etat 1916 zunächst zumehr als die Hälfte ausgeglichen durch den Wegfall der laufendenAusgaben für Heer und Marine. Dieser Ausgleich wird noch ver-bessert durch die Herabminderung der einmaligen Ausgaben um80 Millionen Mark. Insgesamt schliessen die Ausgaben des ordent-lichen Etats mit 3 659 000 000 Mark ab ; das sind 316 000 000 Markmehr als im Etat für 1915.

Auf der Einnahmeseite sind die wesentlichsten Veränderungendie folgenden. In Abgang gestellt ist der Wehrbeitrag, der im Etatfür 1915 mit seiner letzten Rate in Höhe von 328 000 000 Markaufgeführt war. Dagegen konnten wir den Ueberschuss des Jahres1914 mit 220 000 000 Mark einsetzen. Insgesamt würden die An-sätze der Einnahme des ordentlichen Etats ohne die Erschliessungneuer Quellen ein Weniger von 144 000 000 Mark gegenüber demVorjahre ergeben, und das gegenüber einem Mehr bei den Aus-gaben in Höhe von 336 000 000 Mark, wie ich vorhin erwähnte.Daraus ergibt sich also ein Fehlbetrag von 480 000 000 Mark. Fürdiesen Fehlbetrag schlagen die verbündeten Regierungen alsDeckung vor die neuein Kriegssteuern.

Meine Herren, damit ist der Eta,t formell ins Gleichgewichtgebracht, aber nur formell! Denn, wie ich mir bereits erlaubte,auszuführen: wir haben die Einnahmen mit den Ziffern des letztenFriedensetats eingestellt, und, wenn etwas in dem neuen Etatsicher ist, dann ist es die Tatsache, dass die Ansätze nicht er-reicht werden.

Wir können zwar aus einzelnen Kapiteln auf Mehreinnahmenrechnen, so aus dem Bankwesen infolge der Kriegsbesteuerungund der starken Inanspruchnahme der Reichsbank, auf Einnahmen,die uns für das laufende Jahr 175 000 000 Mark bringen werden;wir können ferner rechnen auf erhebliche Einnahmen aus denMfirlehnskassen.